Hörspielrezension: «Gespenster-Krimi Folge 9: Tempel der Dämonen» (Contendo Media/Audionarchie)

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Wenngleich die allermeisten Spinnen völlig harmlos sind, jagt allein ihr Anblick vielen Menschen immer wieder eine Heidenangst ein. Da verwundert es nicht, dass die Achtbeiner seit Jahrzehnten Gegenstand von Grusel- und Horrorgeschichten sind, in denen sie als todbringende Monster dargestellt werden. Man denke nur an Filme wie Tarantula, Mörderspinnen oder Arachnophobia. Die aktuelle Folge der Hörspielreihe Gespenster-Krimi schlägt in die gleiche Kerbe, denn auch sie weiß über Arachnoiden zu berichten, von denen man sich besser so weit wie möglich fernhalten sollte. Allerdings  hat das den Protagonisten leider niemand gesagt. Gespenster-Krimi 9: Tempel der Dämonen besitzt eine Laufzeit von ca. 70 Minuten und ist seit dem 1. Juli 2016 im Handel.

Eigentlich sind die Amerikaner Harry Bannister, Helm Trigger und Sue Clayton für eine langweilige Reportage nach Indien gereist. Vor Ort werden sie jedoch schnell mit übernatürlichen Ereignissen konfrontiert, die sie mehr als einmal an ihrem Verstand zweifeln lassen. All das steht scheinbar mit dem geheimnisvollen Sektenführer Bhaktivad Carradesch in Verbindung, der die Mächte der Finsternis heraufbeschwört. Um seine finsteren Pläne zu vereiteln, müssen sich Harry und seine Freunde schrecklichen Ungeheuern stellen... (Klappentext)

Markus Topf, unter anderem Autor von Contendos Thriller-Hörspielreihe Mord in Serie, kam die Aufgabe zu, Earl Warrens gleichnamigen Heftroman von 1974 in ein brauchbares Hörspielskript umzuwandeln. Ein wahrlich undankbarer Job, denn das Ausgangsmaterial bietet lediglich den üblichen Dämonenkult-Menschenopfer-Standardplot unter Verwendung umgedeuteter Elemente des Sanskrit, der mit einer Aneinanderreihung der seinerzeit gängigsten Indien-Klischees garniert wurde. Topfs Versuche, der Story einen etwas zeitgemäßeren Anstrich zu geben, sind durchaus ehrbar, doch auch ein Mann mit seiner Erfahrung kann aus Wasser und Brot kein Fünf-Gänge-Menü zaubern. Trash bleibt nun  einmal Trash – ein Bösewicht, der seinem hilflosen, natürlich weiblichen Opfer (und damit auch der Hörerschaft) in aller Ruhe die ganzen Hintergründe und seinen diabolischen Plan erläutert, inklusive. Wer die Dummheit begeht, diese Story ernst zu nehmen oder gar ihre Handlungslogik zu hinterfragen, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Dass sie sich nicht großartig Zeit nimmt, wenigstens den zentralen Figuren etwas charakterliche Tiefe zu verleihen, darf man ihr übrigens nicht zum Vorwurf machen. Denn Geschichten dieser Art kennen traditionell nur eine Devise: Plot, Plot und nochmals Plot! Getreu diesem Motto hält sich das Hörspiel auch mit keinerlei Vorreden auf, sondern legt stattdessen von Beginn an ein ordentliches Tempo an den Tag. Dieser Schwung wird im weiteren Verlauf konsequent beibehalten, während das Geschehen gradlinig auf den großen Showdown zusteuert. An dieser Stelle zahlt sich die Routine von Markus Topf aus, denn so platt, klischeebehaftet und wenig originell die Handlung auch sein mag, so wird sie dennoch auf kurzweilige Art und Weise serviert. 

Inszeniert haben Contendo und Audionarchie dieses Hörspiel auf wahrlich hohem Niveau. Die Sprecherriege (u.a. Jaron Löwenberg, Michael-Che Koch, Nina Goldberg Bodo Wolf und Hartmut Neugebauer als Erzähler) ist hochklassig, das Sounddesign sowie die Musik von Marcel Schweder sorgen für viel Atmosphäre. Und auch in Sachen Regie und Schnitt kann die Produktion voll punkten. Alle Beteiligten verstehen definitiv ihr Handwerk.

Man kann Gespenster-Krimi 9: Tempel der Dämonen seinen Unterhaltungswert sicherlich nicht absprechen. Doch dieser entfaltet sich am ehesten, wenn man die Haltung einnimmt, eine Geschichte aus seligen Groschengruselzeiten im akustischen Gewand des Jahres 2016 erleben zu wollen. Unter solch einer Prämisse macht dieses Hörspiel richtig Spaß. Wirklich gegruselt habe ich mich dieses Mal zwar nicht, doch das kann ich ja vielleicht bei der nächsten Folge nachholen.



Gespenster-Krimi 9: Tempel der Dämonen ist ein Hörspiel von Contendo Media und Audionarchie. Seit dem 1. Juli 2016 ist es im Handel.



WatchmanCL

Blogger und Rezensent

Christian Loges lebt und arbeitet in Aachen. Wenn er nicht gerade bloggt, verbringt er seine Freizeit gerne mit seinen Freunden und in der Natur. Oder er gönnt sich bei einem anständigen Kaffee ein gutes Buch, einen Film, eine Serie, einen Comic oder ein Hörspiel.

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