Hörspielrezension: «Geister-Schocker 62: Der Fluch des Geistes» (Romantruhe Audio)

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1974 startete der Kelter-Verlag die Heftromanserie Monstrula über den britischen Reporter Jack Callum, der durch einen Fluch die Fähigkeit erhält, in die Welt der Geister und des Grauens schauen zu können. Ausgestattet mit einem magischen Ring nimmt er den Kampf gegen Dämonen und ähnliches Kroppzeug auf. Zwei Jahre und 46 Ausgaben hielt Callum durch - doch kam das Aus. Ob wirtschaftlicher Misserfolg tatsächlich der Grund für die Absetzung war oder der Verlag mit diesem Schritt einer drohenden Indizierung aufgrund des hohen Gewaltfaktors zuvorkommen wollte, wie immer wieder behauptet wird, ist unklar. 40 Jahre nach dem Ende von Monstrula hat sich das Label Romantruhe Audio der Serie jetzt angenommen und präsentiert im Rahmen seiner Hörspielreihe Geister-Schocker Jack Callums ersten Fall. Geister-Schocker 62: Der Fluch des Geistes ist seit dem 27. Mai 2016 im Handel.

Drohend schwebte der Geist, in einen grünlichen Nebel eingehüllt, auf Jack Callum zu. »Sei verflucht, Irdischer!«, gellte es in den Ohren des Reporters. »Schauen sollst du die Welt der Geister, ertrinken wirst du im Grauen! Ohnmächtig wirst du unserem Wirken zusehen, ohne die Macht, etwas gegen uns zu unternehmen! Du wirst dir den Tod wünschen, aber die Erlösung von der Sehergabe, die ich dir verleihe, kann nur ich dir bringen! So lautet der Fluch des Geistes!« Jack wirbelte herum, doch der grünliche Nebel und das teuflische Gesicht waren verschwunden. So wurde Jack Callum zum Todfeind der Geister. Dies ist sein erstes Abenteuer. (Klappentext)

Ein Skript von Markus Topf (Mord in Serie), die Beteiligung des Gespanns Paul Burghardt/Tom Steinbrecher (Twilight Mysteries) an der Produktion und ein namhafter Cast (Christian Stark, Martin Sabel, Dagmar Bittner, Marc Schülert, Jürgen Thormann, Peter Groeger u.a.) sind sicherlich hochwertige Ingredienzien, die für dieses Hörspiel sprechen. Angesichts der Dürftigkeit des Ausgangsmaterials kommt der von Romantruhe betriebene Aufwand allerdings vergeblicher Liebesmüh gleich. Denn wie zuvor schon andere Hörspiele auf Grundlage verstaubter Trivialliteratur, so führt auch Geister-Schocker 62 dem Hörer deutlich vor Augen, wie überaus schlecht diese Stoffe in den Jahrzehnten seit ihrer Erstveröffentlichung gealtert sind. Sie sind literarische Leichen, die nun zum Zwecke der Vertonung reanimiert und akustisch aufgeschminkt werden, um sie für das Publikum des Jahres 2016 interessant zu machen. Doch es ist weit mehr nötig als Kosmetik, damit eine betagte Story in der Gegenwart ankommt: Dem Plot muss seine Vorhersehbarkeit genommen, die Figuren müssen zu Charakteren erweitert werden. Hölzerne Dialoge gehören eliminiert. Und nicht zuletzt muss es die Geschichte mit ihrer eigenen Handlungslogik endlich genau nehmen, anstatt sie der jeweiligen Szene einfach mal anzupassen, wenn ihr gerade danach ist. Von alledem wurde hier leider nichts umgesetzt. Das Skript setzt stattdessen auf ein hohes Erzähltempo, damit man als Hörer nicht zum Nachdenken kommt; die Inszenierung verlässt sich derweil auf die Zugkraft der Besetzung und die Soundkulisse. Und in der Tat ist Geister-Schocker 62 mit ca. 51 Minuten ein sehr kompaktes Hörspiel ohne Längen geworden, dessen Sprecherinnen und Sprecher ihre Rollen souverän meistern. Die Klangkulisse sowie die Musik sorgen darüber hinaus für eine gefällige Atmosphäre. Großtaten werden jedoch weder vor dem Mikrophon noch am Mischpult vollbracht, weil die Story dies keinem der Beteiligten abverlangt.

Eine Inszenierung von heute trifft bei Geister-Schocker 62: Der Fluch des Geistes auf eine Story von gestern. Das Ergebnis ist zwiespältig und kann deshalb nicht wirklich überzeugen. Als anspruchsloser Gruselhappen für Zwischendurch geht die Produktion noch einigermaßen durch. Wem das reicht, kann zuschlagen, alle anderen sollten sich vielleicht besser nach einem anderen Gruselhörspiel umschauen. Auswahl gibt es ja genug.


Geister-Schocker 62: Der Fluch des Geistes ist seit dem 27. Mai 2016 im Handel.

WatchmanCL

Blogger und Rezensent

Christian Loges lebt und arbeitet in Aachen. Wenn er nicht gerade bloggt, verbringt er seine Freizeit gerne mit seinen Freunden und in der Natur. Oder er gönnt sich bei einem anständigen Kaffee ein gutes Buch, einen Film, eine Serie, einen Comic oder ein Hörspiel.

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