Hörspielrezension: «Wilde & Holmes- Sonderermittler der Krone Folge 1: Zeitenwende» und «Folge 2: Finsteres Hochland» (Maritim)

by 10.5.16 0 Kommentare

Im letzten Jahr kündigte Maritim für 2016 den Start einer neuen Serie mit dem Titel Oscar Wilde & Mycroft Holmes – Sonderermittler der Krone an. Am 11. März 2016 erlebte diese viktorianische Agentengeschichte, die eine historische Persönlichkeit und eine literarische Figur zusammenbringt, dann ihre Premiere, die sie mit einem Doppelpack feierte. Denn zeitgleich mit dem Auftakt Folge 1: Zeitenwende kam auch Folge 2: Finsteres Hochland in den Handel. Ehe nun am 13. Mai Folge 3: Das Geheimnis des Alchemisten veröffentlicht wird, noch einmal ein Blick darauf, was die Serie bisher geboten hat.



Folge 1: Zeitenwende trägt die deutlichen Züge einer klassischen Pilotfolge. Die Story nimmt sich ausreichend Zeit, die Protagonisten sowie ihr Verhältnis zueinander zu etablieren, die Beweggründe zu erläutern, warum Mycroft Wilde als Sonderermittler haben will und warum Wilde Holmes' Angebot annimmt. Parallel wird der erste Fall des Sonderermittlers bereits angeschoben, dem er sich im weiteren Verlauf annimmt. Dass gegen das Empire eine große Verschwörung läuft, wird bereits früh klar, und der Feind bekommt gegen Ende der Folge einen Namen, der von seinem Logo abgeleitet ist. Damit ist ein roter Faden gegeben, der die jeweiligen Abenteuer miteinander verbindet, wenngleich sie für sich einzeln hörbar bleiben.

Folge 2: Finsteres Hochland ist der erste Außeneinsatz für Wilde, an dem sich auf Geheiß von Holmes auch noch der Großwildjäger Hawthorne und der Pathologe Peyton beteiligen. Im schottischen Hochland sind in 8 Wochen 12 Menschen verschwunden, und Wilde soll die Hintergründe aufklären. Das Ganze gerät zu einem ziemlich gruseligen Trip, und es stellt sich heraus, dass Hawthorne und Peyton mehr über die Sache wissen, als sie zunächst vorgeben.

In der Auftaktfolge wird eine solide Basis für diese neue Serie geschaffen, Folge 2 legt in Sachen Spannung und Atmosphäre noch eine ordentliche Schippe drauf. Zudem gibt sie weiteren Einblick in die Struktur jener Organisation, der Mycroft Holmes im Auftrag der Regierung ihrer Majestät vorsteht. Dieses viktorianische inoffizielle "Heimatschutzministerium" ist wirklich sehr gut ausgestattet und alles andere als zimperlich, wenn es darum geht, Gefahren für das Empire abzuwehren. Und auch die Rekrutierungsmethoden von Holmes sind knallhart. Ich hatte damit gerechnet, dass sich die Serie steigern würde, und es ist schön, dass das auch so eingetroffen ist.

Die Figuren sind vielschichtig angelegt und bieten eine Menge Potenzial zur Weiterentwicklung. Wildes Charakter macht im Verlauf der ersten zwei Folgen bereits einen gewissen Wandel durch, seine neue Aufgabe beginnt bereits, erste Spuren zu hinterlassen. Um Mycroft kreisen immer noch viele Fragezeichen, er hat charakterlich längst noch nicht alle Karten auf den Tische gelegt. Da wird in den weiteren Folgen sicher noch einiges kommen. Als erwachsener Hörer lässt man sich diese Komplexität im Wesen der Protagonisten gerne gefallen. Die Leistung der beteiligten Sprecher, allen voran die von Sasha Rothermund als Oscar Wilde, ist absolut professionell und überzeugend. Die Soundkulisse und die Musik betten die Handlung sowie die Dialoge meiner Meinung nach in eine stimmige akustische Kulisse ein. Jeweils ca. 79 Minuten Laufzeit haben die Folgen, doch bleiben sie trotz dieses Umfangs sehr kurzweilig. Dass der Plot in der Auftaktfolge etwas brauchen würde, bis er richtig in Fahrt kommt, liegt in der Natur der Sache. Eine positive Erwähnung verdienst die Tatsache, dass in Folge 2 über frühere Ereignisse nicht einfach monologisiert wird, sondern diese als Spielhandlung dem Hörer vermittelt werden.

Wer sich Oscar Wilde & Mycroft Holmes – Sonderermittler der Krone unter der Maßgabe nähert, ein spannendes Agentenabenteuer mit viktorianischem Anstrich zu erleben, kommt definitiv auf seine Kosten. Wilde als Enfant terrible in einer streng konservativen Welt ist eine überaus reizvolle Figur, die einen schönen Kontrast zu Mycroft Holmes liefert. Wildes erste Missionen haben mich gut unterhalten, und der übergeordnete Handlungsstrang um das mysteriöse Bündnis, das sich gegen Britannien verschworen hat, lässt mich gespannt die zukünftigen Folgen erwarten. Denn dieser Feind ist verdammt clever und hat sicherlich noch jede Menge Gemeinheiten auf Lager.


Nach Jules Verne - Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg ist Oscar Wilde & Mycroft Holmes - Sonderermittler der Krone nicht nur eine weitere neue Maritim-Serie mit einem echt langen Titel, sondern auch die zweite, die im 19. Jahrhundert angesiedelt ist. Und wie Jules Verne im November 2015, so gelingt es auch Wilde & Holmes, von der ersten Folge an beim Publikum kräftig zu punkten. Daher ist es überaus erfreulich, dass bereits bis Folge 8 die Cover vorliegen, die Klappentexte bekannt sind und auch die VÖ-Termine feststehen. Auf Basis der ersten beiden Folgen kann ich da nur sagen: Immer her damit!


Oscar Wilde & Mycroft Holmes – Sonderermittler der Krone ist eine Hörspielserie von Maritim. Die Folgen 1 und 2 erschienen am 11. März 2016, Folge 3: Das Geheimnis des Alchemisten wird ab dem 13. Mai 2016 erhältlich sein.



WatchmanCL

Blogger und Rezensent

Christian Loges lebt und arbeitet in Aachen. Wenn er nicht gerade bloggt, verbringt er seine Freizeit gerne mit seinen Freunden und in der Natur. Oder er gönnt sich bei einem anständigen Kaffee ein gutes Buch, einen Film, eine Serie, einen Comic oder ein Hörspiel.

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