Hörspielrezension: «Der Fjord (1)» (Hanseklang)

by 20.5.16 0 Kommentare

Man kann es den Hörspielproduzenten zwar nicht ernsthaft übelnehmen, ihr Gerede von "Blockbustern für die Ohren mit filmreifen Sounds und den Synchronstimmen von (hier die Namen von Hollywoodstars einsetzen)". Denn klappern gehört schließlich zum Handwerk. Doch irgendwann kann man es einfach nicht mehr hören. Erst recht, wenn die fertigen Werke nicht das halten, was ihrer Macher zuvor versprochen hatten.  Das Label Hanseklang aus Kiel verzichtet hingegen in typisch norddeutscher Manier auf große Reden, sondern lässt lieber seine Hörspiele für sich sprechen. Die neueste heißt der Fjord (1), ist der Auftakt eines Mystery-Dreiteilers und seit Anfang März 2016 im Handel.

Der Fjord ist seit Jahrhunderten eine Quelle der Sagen und Legenden für sein Volk, das an den Ufern ein von Armut geprägtes Leben abseits der Zivilisation fristet. Als Filip Johansen aus dem Krieg zurückkehrt, führt ihn sein Weg in eine von Vergangenheit und Gegenwart verzerrte Welt. Schon bald stellt er fest, dass etwas mit dem Tod der Frau seines Bruders Kristian nicht stimmt. Dann verschwindet Kristian eines Nachts. Auf der Suche nach Hinweisen stößt Filip auf Briefe, die sein Vater geschrieben hat. Er ahnt nicht, dass er damit eine Tür öffnet, die besser für immer verschlossen geblieben wäre. Als der Fjord sein dunkles Geheimnis preisgibt, muss Filip Johansen den Kampf erneut aufnehmen. Doch diesmal ist er selbst sein größter Feind. (Klappentext)

Der Fjord stammt von Hannes Moorhahn, der auch für die Regie verantwortlich zeichnet. Seine Geschichte erzählt von der Beziehung zwischen Mensch und Natur, vom Kriegsheimkehrer Filip und dem Fjord. Von Kindesbeinen an hat er den Protagonisten geprägt, ihm aber nie sein Innerstes offenbart. Und der Fjord hat auch nicht vor, dies ohne Widerstand zu tun. Moorhahn inszeniert den Fjord als einen mystischen, geradezu beseelten Ort: Launisch, verschlagen und stets darauf bedacht, seine Geheimnisse zu wahren. Filip Johansen legt der Autor dagegen als einen von Fronterlebnissen traumatisierten Mann an, der in der alten Heimat wieder Anschluss an sein früheres Leben sucht. Der Krieg ist vorbei, doch seinen Frieden kann Filip erst dann finden, wenn er herausgefunden hat, was der Fjord mit allen Mitteln zu verbergen versucht. Eine Wahrheit, an deren Enthüllung sein Vater und sein Bruder Kristian bereits zerbrochen sind. 

Auf ca. 75 Minuten Laufzeit bringt es der erste Akt dieses Mystery-Dreiteilers, dessen Sprechrollen unter anderem mit Roman Knizka (Filip Johansen), Nils Aulike (Kristian Johansen), Jenny Maria Meyer (Tarja), Christoph Nolte (Georg Johansen) und Sven Matthias (Henri Magnussen) besetzt wurden. Der gesamte Cast überzeugt durch Natürlichkeit und ein unprätentiöses Spiel, das den Figuren große Glaubwürdigkeit verschafft. Ein wahrer akustischer Leckerbissen ist die Soundkulisse, die durch akzentuiert eingesetzte Geräusche und die Verwendung unter Livebedingungen aufgenommener Atmos eine beklemmende Stimmung schafft, der man sich einfach nicht entziehen entziehen kann. Hinzu kommt noch ein fein abgestimmter, von nordischen Klängen geprägter Soundtrack. Das Resultat ist ein Klangraum, der das perfekte Umfeld für eine spannende Geschichte bildet, die sich zunächst behutsam entfalten darf, um sich im weiteren Verlauf immer mehr zu steigern. Das Finale von Der Fjord (1) bildet dann zugleich den vorläufigen dramatischen Höhepunkt und macht definitiv neugierig auf die Fortsetzung der Saga in Teil 2. 

Der Fjord (1) hat mich als packendes Mystery-Hörspiel wirklich sehr beeindruckt. Darum sei es allen Fans des Genres wärmstens empfohlen. Und natürlich auch allen, die einfach auf verdammt spannende Geschichten stehen.



WatchmanCL

Blogger und Rezensent

Christian Loges lebt und arbeitet in Aachen. Wenn er nicht gerade bloggt, verbringt er seine Freizeit gerne mit seinen Freunden und in der Natur. Oder er gönnt sich bei einem anständigen Kaffee ein gutes Buch, einen Film, eine Serie, einen Comic oder ein Hörspiel.

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