Doppelrezension: «Dreamland Grusel Folge 20: Ein höllisches Vermächtnis» und «Folge 21: Der ewige Widersacher»

by 29.7.15 0 Kommentare

Das Hörspiellabel Dreamland hat seit 10 Jahren die Reihe Dreamland Grusel im Programm, die sich als Hommage an jene Gruselserie von H.G. Francis versteht, die in den 1980ern bei Europa erschien und auch als Neon Gruselserie bekannt ist.  Mit Folge 20 Ein höllisches Vermächtnis veröffentlichte Dreamland den Auftakt eines Zweiteilers, der kürzlich mit Folge 21 Der ewige Widersacher abgeschlossen wurde. Ich gehöre nicht zu den regelmäßigen Hörern dieser Reihe, sondern hatte mir bislang nur ausgewählte Folgen zu Gemüte geführt. Und was den Zweiteiler DLG 20/21 angeht, so kannte ich bereits die Meinung der Hörspiel-Jury, die recht negativ ausfiel, und die eines Mitglieds eines Hörspielforums, das sehr begeistert von der Geschichte war. Solch weit auseinander gehende Auffassungen machen mich immer neugierig, weshalb ich mich entschied, dem Zweiteiler mal eine Chance zu geben und mir ein eigenes Urteil zu bilden.


Folge 20: "Seit Anbeginn der Zeit lauert das Böse im Verborgenen, immer wieder versuchen die Mächte der Finsternis die Menschheit zu unterjochen und die Macht zu erlangen. Ob bei der Kreuzigung des Heilands oder den Kreuzzügen im Mittelalter, immer wieder hatten die dunklen Mächte ihre Finger im Spiel. Doch tapfere Menschen gelang es stets die die Mächte der Finsternis zu obsiegen.Im Jahre 1876 versucht Lazarus, der Sohn des Teufels, ein weiteres Mal die Macht über die Welt an sich zu reißen. Doch diesmal gibt es nur einen Menschen, der sich ihm entgegen stellen kann. Er ist der Erbe eines tapferen Templers, dem es schon einmal gelang, Lazarus in seine Schranken zu weisen. Doch der Unglückselige weiß noch nichts von seinem Schicksal. Auf Jonathan Rochester wartet… Ein höllisches Vermächtnis."

Folge 21: "Er war die Ausgeburt der Hölle, der Sohn des Teufels: Lazarus, der Seelenlose. Auf einer Insel hatte er unzählige Jünger um sich geschart und bereitete dort im Geheimen den Angriff auf die Menschheit vor. Warum ich das weiß? Ich erfuhr auf einer Schiffsreise davon, bei einer schicksalhaften Begegnung mit einem Geistlichen. Reverend Malligan teilte mir dort mit, dass es meine Bestimmung war, gegen diesen mächtigen Feind alles Guten anzutreten, denn nur ich sollte ihn der Überlieferung nach an der Ergreifung der Weltherrschaft hindern können. Ich, der Nachfahre des tapferen und edlen Tempelritters Otto de la Roche, Jonathan Rochester. Doch wie sollte mir das gegen eine Übermacht an Gegnern und gegen ein solch mächtiges Wesen wie den Sohn des Teufels gelingen?"

So lauten die Inhaltsangaben des Labels für die jeweiligen Folgen. Zusammen bringen sie es auf eine Spielzeit von 156 Minuten, was ohnehin schon eine sehr ordentliche Hausnummer ist. Erst recht aber, wenn man bedenkt, dass sich Dreamland Grusel an der alten Gruselserie von Europa orientiert, deren Folgen jeweils deutlich kürzer liefen. Die gesamte erste Hälfte des Zweiteilers verwenden die Autoren dafür, die Grundlagen für die finale Konfrontation zwischen Jonathan Rochester und Lazarus im zweiten Teil vorzubereiten. Dass man mit zwei starken Szenen in die Story einsteigt, hat mir gut gefallen. Im weiteren Verlauf hält Folge 20 zwar noch eine weitere, nicht zuletzt für den Protagonisten sehr dramatische Szene parat, doch ansonsten wird viel geredet und erklärt. So lässt man etwa Douglas Welbat als Reverend Mulligan einen minutenlangen Monolog abliefern, was Welbat allerdings sehr gut hinbekommt, denn die Art, wie er von Ereignissen aus der Vergangenheit berichtet, ist atmosphärisch und spannend. Dass er auch Dinge berichtet, die man als Hörer schon weiß, da sie in den ersten beiden Szenen des Hörspiels passierten, muss man einfach schlucken. Sind dann alle Fundamente gelegt, geht es in Folge 21 endlich richtig zur Sache und nicht zuletzt der Showdown kann sich hören lassen. Dass die Geschichte entlang klassischer Erzählmuster angelegt wurde, geht angesichts des Backgrounds der Serie für mich voll in Ordnung. Die Story ist unterhaltsam; dass sie auch noch originell ist, habe ich von ihr nie gefordert oder erwartet. Was mich ebenfalls nicht gestört hat, ist, dass man in der Darstellungsweise mancher Ereignisse in diesem Zweiteiler nun wahrlich nicht zimperlich vorgeht. Immerhin handelt es sich ja um eine Gruselserie – und da darf zwischendrin auch mal enthauptet, aufgespießt oder jemand verbrannt werden. Der Body Count ist recht hoch, doch es steht eben auch viel auf dem Spiel und der Gegner ist nun auch nicht gerade ein Leichtgewicht. 

Die Besetzung macht ihre Sache gut; neben Douglas Welbat ist mir vor allem Martin Kessler als Lazarus positiv im Gedächtnis geblieben. Aber auch, was Christian Stark und Alexandra Doerk als Ehepaar Rochester abliefern, geht voll in Ordnung. Christian Rode als Erzähler ist wie gewohnt sehr stark. Die Geräusch- und Musikkulisse fand ich ansprechend, wobei ich mir in jenen Szenen, die an Bord des Schiffes spielen, noch mehr Atmosphäre gewünscht hätte. Da ging es mir definitiv zu ruhig zu. Die Cover passen stilistisch zu jenen der anderen Folgen dieser Reihe. Da ich diesen Stil aber nicht sonderlich mag, da die Zeichnungen auf mich immer irgendwie plump oder unfertig wirken, will ich zu diesem Thema keine weiteren Worte verlieren. 


Der Zweiteiler hat mich gut unterhalten; der Retro-Charme war absolut vorhanden. Die Geschichte hätte für meinen Geschmack kompakter ausfallen können und die eingestreuten Zitate wären aus meiner Sicht verzichtbar gewesen. Und in Zukunft sollte man vielleicht versuchen, nur in jenen Szenen Pathos einzusetzen, die dies auch wirklich erfordern. Hier wurde meiner Meinung nach etwas zu häufig von diesem Mittel Gebrauch gemacht, was auf die Dauer leicht ermüdend wirkte. Insgesamt empfinde es so, dass Dreamland mit diesen Folgen dem gerecht geworden ist, was man erreichen will: Einen Grusler im Stile alter oder auch seliger Hörspielzeiten. Und dem eigenen Anspruch zu entsprechen, schafft ja nun auch nicht jedes Label. Ich denke mal, dass die Fans der Reihe mit diesem Zweiteiler auf jeden Fall zufrieden sein werden. Vielleicht auch mehr als das.



WatchmanCL

Blogger und Rezensent

Christian Loges lebt und arbeitet in Aachen. Wenn er nicht gerade bloggt, verbringt er seine Freizeit gerne mit seinen Freunden und in der Natur. Oder er gönnt sich bei einem anständigen Kaffee ein gutes Buch, einen Film, eine Serie, einen Comic oder ein Hörspiel.

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