Rezension: «Killing Beauties» (Earliner)

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In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre leitete Aaron Spelling mit Drei Engel für Charlie eine Revolution im amerikanischen Fernsehen ein, denn erstmals gingen keine männlichen Detektive auf Ganovenjagd, sondern drei so selbständige wie hübsche Ermittlerinnen. Das Grundkonzept wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach kopiert, die Serie selbst schaffte den Sprung ins Kino und erlebt im Herbst diesen Jahres ein Remake beim US-Sender ABC. Earliner präsentierte am vergangenen Samstag seine eigene Variante des Themas in Form des Hörspiels Killing Beauties, das auf der Website des Labels zum kostenlosen Download bereitsteht.

Sie sind jung. Sie sind intelligent. Sie sind erfolgreich. Und sie haben ein dunkles Geheimnis. Alyssa Matthews und Kelly Roberts sind zwei Top-Models der Modebranche und in jeder Metropole der Welt zuhause. Aber zwischen Catwalk und Fotosession gehen sie noch einer anderen Beschäftigung nach: Sie sind Auftragskiller. In New York erhalten sie den Auftrag, Vincent Van Halen zu töten. Doch der Waffenlieferant wird geschützt wie Fort Knox und scheint zudem ein Geheimnis zu haben, das unbedingt vorher aufgeklärt werden muss. (editierter Ankündigungstext)

Es gibt durchaus zwei Arten, wie man sich Killing Beauties, geschrieben von Erik Albrodt, nähern kann. Die eine besteht darin, die Geschichte aufgrund der Prämisse von vornherein nicht für voll zu nehmen -  die andere, sie als ernstgemeinten Thriller zu begreifen. Wer letzteren Weg wählt, wähnt sich zunächst in seiner Auffassung bestätigt, denn in den ersten beiden Szenen, die zeitlich vor der Haupthandlung angesiedelt sind, geht es ziemlich hart zur Sache und man könnte meinen, sie wollten den Hörer auf einen Thriller der Marke Hard Boiled einstimmen. Sobald die Geschichte jedoch in der Gegenwart angekommen ist, kippt sie bzw. schlägt eine deutlich andere Richtung ein.

Die beklemmende Stimmung ist schlagartig wie weggefegt und das Publikum lernt, während es einen gutgelaunten Sprecher durch die Flure und in die Zimmer eines Nobelhotels begleitet, eine neue Methode kennen, die Hauptfiguren einer Hörspielgeschichte zu definieren, nämlich über ihre sexuellen Neigungen! Machen wir es kurz: Alyssa ist Nymphomanin, Kelly eine Lesbe und das Helferlein Leland ist nicht nur schwul, er redet und verhält sich auch so. Jedenfalls, wie man sich als Hetero einen Homosexuellen eben wohl vorstellen soll. Wenn die beiden Beauties nicht gerade modeln, rammeln oder sich von ihrem Homo-Gehilfen aufhübschen lassen, killen sie im Gegenzug für ein fettes Salär im Auftrag des mysteriösen Daddy Leute, die dieser zum Abschuss freigegeben hat, weil man ihnen angeblich auf dem Wege des Gesetzes nicht beikommen kann. Im weiteren Verlauf der Geschichte kann man verfolgen, wie die Vorbereitungen für den Mordanschlag anlaufen, sich einige Komplikationen ergeben und Alyssa zwischendurch einen Polizisten flachlegt, ehe es dann zum Showdown in der Villa des Waffenhändlers kommt. Wer bis zum Finale durchgehalten hat, wird wenigstens mit einer ordentlichen Portion handfester Action für einen ziemlich zähen Plot entschädigt, der nicht sonderlich originell sein will, sondern lieber seine Vorbilder zitieren und auf die Schippe nehmen möchte. In dieser Hinsicht ist die Szene mit Leland als Pizzabote ein echtes Highlight.

Der Cast wird angeführt von Annika Weitershagen als Kelly Roberts und Vera Bunk als Alyssa Matthews. Letzte kam zuvor schon bei Aerophore und Triggers zum Einsatz, ist also eine derzeit recht präsente Stimme. Mit großem Einsatz ist Dirk Hardegen als Leland Chambers zu hören. Vervollständigt wird die Besetzung durch Crock Krumbiegel, Tino Kiessling, Markus Raab, Mareike Möller, Christopher Albrodt, Daniela Albrodt, Lena Scheuerer, Martinique Konhäuser, Melissa Kumpmann, Birgit Bockman, Oliver Theile, Sabine Graf, Marco Rosenberg, Detlef Tams und Ronald Salert. Den Specher gibt Horst Kurth. An der Gesamtleistung aller Beteiligten gibt es nichts auszusetzen.

Schnitt und Regie lagen ebenfalls in den Händen von Erik Albrodt, der in diesen Belangen einen guten Job macht. Die Musik ist stimmig und ihr Einsatz gut getimt. Auch die Soundeffekte und die atmosphärischen Geräusche sind zumeist ansprechend und schaffen einen entsprechenden Klangraum. Für das Cover zeichnet Wolfram Damierus verantwortlich, dem auch dieses Mal wieder eine schöne Grafik gelungen ist, die zum Genre des Hörspiels passt.

Wie bereits gesagt, hängt es stark von der Erwartungshaltung des Publikums ab, wie ihm Killing Beauties gefallen wird. Die ersten Minuten der Produktion sind eine Finte, denn das Hörspiel will nie mehr sein, als leicht verdauliches Popcornkino für die Ohren, auch wenn man zu Beginn mit einem anderen Genre liebäugelt. Der Gesamteindruck leidet etwas unter dieser anfänglichen Unausgewogenheit. Der Plot kämpft vor allem mit der Laufzeit, denn 80 Minuten sind zu reichlich für diese Story. Hier hätte man zugunsten des Spannungsbogens durchaus straffen können. Die Figuren sind etwas eindimensional, jedoch so ausreichend charakterisiert, dass sie dem Hörer nicht egal sind. Für mehr lässt die Handlung nur ansatzweise Freiraum.

Killing Beauties ist gradliniger Hörspaß für Fans von Actionfilmen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


WatchmanCL

Blogger und Rezensent

Christian Loges lebt und arbeitet in Aachen. Wenn er nicht gerade bloggt, verbringt er seine Freizeit gerne mit seinen Freunden und in der Natur. Oder er gönnt sich bei einem anständigen Kaffee ein gutes Buch, einen Film, eine Serie, einen Comic oder ein Hörspiel.

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