Rezension: «Das Mayfield Pensionat – Mrs. Bingles Geheimnis» (Hörspiel)

by 2.3.11 1 Kommentare
Die MindCrusher Studios sind mit ihren thematisch sehr abwechslungsreichen Produktionen inzwischen ein fester Bestandteil der freien Hörspielszene. Am 7. November 2010 veröffentlichte man mit Das Mayfield Pensionat – Mrs. Bingles Geheimnis eine Geschichte aus der Feder von Frank Hammerschmidt. Im Mittelpunkt stehen die Schülerinnen Mary Ann, Viktoria, Beth und Emma, die im Irland der 1920er Jahre einem dunklen Geheimnis auf die Spur kommen wollen, das ihre unheimliche Lehrerin Mrs. Bingle umgibt. Bei ihren Nachforschungen geraten nicht nur sie, sondern auch eine Mitschülerin in Lebensgefahr. Das Hörspiel hat eine Länge von ca. 53 Minuten und kann von der Website der MindCrusher Studios kostenlos heruntergeladen werden.

Mit der Wahl der Ausgangssituation erweist der Autor zunächst der großen Enid Blyton Reverenz, die in unzähligen Geschichten Gruppen von Heranwachsenden Geheimnisse untersuchen und Verbrechen aufklären ließ. Da werden Erinnerungen wach an die Abenteuer der Fünf Freunde, der Verwegenen Vier oder der Schwarzen Sieben. Doch schnell geht die Handlung durch das Einflechten von Mystery- und Gruselelementen in die ansonsten traditionellen Erzählstrukturen zügig eigenständige Wege. Zwar werden auch einige Klischees bedient, so darf zum Beispiel ein Besuch auf einem Friedhof nicht fehlen, doch schafft es Hammerschmidt, der Thematik neue Facetten abzugewinnen, ohne dabei die Logik aus dem Fenster zu werfen. Das Erzähltempo ist der Geschichte angemessen. Unangenehme Längen gibt es nicht, da der sorgsam ausgearbeitete Spannungsbogen bis zum Ende konsequent durchgehalten wird. Es ist schön, dass es noch Geschichten gibt, die zwar schnörkellos daherkommen, den Hörer aber zu fesseln verstehen und ihm auch den einen oder andren Schauer über den Rücken laufen lassen, ohne dabei unnötig drastisch zu werden.

Eine wichtige Ursache dafür, dass der Hörer sich gerne auf die Handlung einlässt, sind die sympathischen Protagonistinnen. Schnell baut der Hörer eine Beziehung zu Mary Ann, Viktoria, Beth und Emma auf, die teilweise recht unterschiedliche Charakterzüge haben. Obwohl das Hörspiel eindeutig plotorientiert ist, bleibt genug Zeit für diese feinen Nuancen in der Zeichnung der Figuren. Dass die vier dem Hörer ans Herz wachsen ist auch unabdingbar dafür, dass der dramatische Showdown eine Wirkung erzielen kann. Manche Hörspiele scheitern an dieser Aufgabe, doch Frank Hammerschmidt meistert die Herausforderung souverän. Die Gegenspielerin Mrs. Bingle ist im Vergleich zu den Heldinnen über weite Strecken etwas eindimensional geraten. Nie besteht ein Zweifel, dass sie das Böse in dieser Geschichte repräsentiert. Dieses Defizit in der Charakterisierung ist aber unterm Strich verzeihlich. Vom erzählerischen Standpunkt her kann Das Mayfield Pensionat – Mrs. Bingles Geheimnis insgesamt sehr überzeugen.

Mary Ann, Viktoria, Beth und Emma werden gesprochen von Michelle Braaf, Lea Plein, Lisa Hoffmann und Germaine Plein. Alle vier stellen sich der Aufgabe, ein Hörspiel tragen zu müssen, mit Bravour und liefern eine tolle Leistung ab. Sabrina Heuer stellt als Mrs. Bingle ihre Vielseitigkeit unter Beweis und ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Helmut Buschbeck, Kirsten Schuhmann, Stefanie Punke, Ralf "Searge" Pappers, Jan Boysen, Oda Plein und Lars Havemann als Erzähler vervollständigen den wirklich guten Cast, der sich keine Blöße gibt und durch viel Spielfreude begeistert.

Sound und Musik wurden gut auf die Handlung abgestimmt. Dadurch entsteht ein Klangraum, der die Geschichte im Kopf des Publikums plastisch werden lässt. Etwas Luft nach oben besteht  bei den Soundeffekten allerdings noch. Was den Schnitt angeht, für den Oda Plein verantwortlich zeichnet, so zeigt sich auch diese Produktion auf dem gewohnt hohen Niveau der MindCrusher Studios.

Das Mayfield Pensionat – Mrs. Bingles Geheimnis ist ein echter Volltreffer, denn alte wie junge Hörspielfans werden hier toll unterhalten. Hoffentlich erleben Mary Ann, Viktoria, Beth und Emma bald wieder neue Abenteuer.


WatchmanCL

Blogger und Rezensent

Christian Loges lebt und arbeitet in Aachen. Wenn er nicht gerade bloggt, verbringt er seine Freizeit gerne mit seinen Freunden und in der Natur. Oder er gönnt sich bei einem anständigen Kaffee ein gutes Buch, einen Film, eine Serie, einen Comic oder ein Hörspiel.

1 Kommentar:

  1. Klingt wirklich nach einem guten Cast, werde es mir mal anhören und im zweifelsfall meinen kleinen vererben :D.
    gute, unterhaltsame rezension.

    gruß
    birgit

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