Rezension: «Die Fälle des Jeffrey Dexter: Die Schatten der Vergangenheit» (hoerspielprojekt)

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Lange hat es gedauert, doch am 28. Mai 2010 erschien mit der zweiten Folge endlich die lang ersehnte Fortsetzung der Hörspielserie Die Fälle des Jeffrey Dexter. Immerhin liegen mehr als zwölf Monate zwischen der Premiere der ursprünglichen Version des ersten Teils (eine überarbeitete Fassung erschien Anfang Oktober 2009) und der neuen Episode Die Fälle des Jeffrey Dexter: Die Schatten der Vergangenheit. Aber das Warten hat sich absolut gelohnt.

Ein mysteriöser Brief und ein abgelegenes Gasthaus scheinen die einzigen Anhaltspunkte für Privatdetektiv Jeffrey Dexter zu sein, seinen entführten Adoptivsohn Tom zu finden. Während Dexter und sein Partner Terry Miller den Spuren folgen, werden beide von den Schatten Ihrer eigenen Verhangenheit eingeholt. Ein unerbittlicher Wettlauf um Leben und Tod beginnt ...

Es ist von Vorteil, sich den ersten Teil angehört zu haben, bevor man in diese Produktion einsteigt. Wer dies nicht möchte, für den hält die Fortsetzung zu Beginn einen kurzen Rückblick auf das bisherige Geschehen bereit. Die Story der neuen Folge schließt nahtlos an jene des Serienauftakts an, was nicht überrascht, endete die Handlung doch seinerzeit mit einem bösen Cliffhanger. Das Hörspiel nimmt sich ordentlich Zeit, seine Geschichte zu erzählen, was es bedenkenlos tun kann, stehen ihm dafür immerhin knapp 92 Minuten zur Verfügung. Dieses Mal ermitteln Dexter und Co. nicht mehr in London, sondern in der Provinz, was eine willkommene Abwechslung zu vielen anderen Hörspielen ist, die eher auf eine urbane Umgebung setzen. Bedingt durch den Ortswechsel werden zahlreiche neue Figuren eingeführt, doch der Hörer behält stets den Überblick, denn bei der Auswahl der Stimmen wurde sehr gut auf deren Unterscheidbarkeit geachtet. Sicherlich kein leichtes Unterfangen, galt es, insgesamt 21 Rollen mit Sprecherinnen und Sprechern zu besetzen.

Die Handlung ist gut strukturiert und schafft es ohne Probleme, den Hörer über die gesamte Laufzeit zu unterhalten. Dabei zahlt es sich aus, dass die beiden Erzählstränge des Hörspiels gekonnt parallel zueinander geführt werden, ehe sie in einem fulminanten Showdown kulminieren. Die Dialoge sind geschliffen und haben ein hohes sprachliches Niveau. Vor allem gelingt es der Autorin Marianne Häberli, den Figuren jeweils einen eigen Sprachstil zu geben. So unterscheidet sich Jeffey Dexter in seiner Ausdrucksweise deutlich von seinem Partner Terry Miller. Dies gilt zumeist auch für die anderen Figuren. Man muss dieses Faktum durchaus betonen, denn viel zu häufig lassen Autoren beim Schreiben der Dialoge dieses Element außer acht. Oder sie übertreiben es und verfallen in Klischees. Die Hauptpersonen der Handlung bekommen in deren Verlauf mehr Tiefe und werden damit für den Hörer immer interessanter. Stück für Stück erfährt man mehr über deren Vergangenheit und fiebert dem Schluss entgegen, der im klaren Kontrast zur restlichen Handlung steht. Kam die Geschichte zwar spannend aber eher ruhig daher, artet das Finale von Die Fälle des Jeffrey Dexter: Die Schatten der Vergangenheit in einen action-geladenen Showdown à la  Hollywood aus, der es wirklich in sich hat: Jippijajey Schweinebacke! Unterm Strich eine interessante Kombination zweier Stile, die sehr zu gefallen weiß.

Bei der Besetzung der Hauptrollen konnte man wieder auf Ralf "Searge" Pappers, Markus Haacke und Marcel Kubik zurückgreifen. Alle drei machen ihre Sache sehr gut. Gerade Kubik hat mir imponiert, hat er doch ein paar schwierige Szenen, die er toll meistet. Auch der Rest des Casts passt meist sehr gut zu den Rollen, die es zu verkörpern gilt. Joachim Klotz als Erzähler leitet gekonnt von einer Szene zur nächsten. Er hat sich seit der Ursprungsversion des ersten Teils deutlich gesteigert. Besondere Sorgfalt wurde erneut auf die Soundeffekte gelegt. Viele von ihnen nimmt man gar nicht bewusst war, doch sie sind es, die es erst möglich machen, dass man als Hörer in die Handlung abtaucht. Schon nach kurzer Zeit hat man als Hörer ein deutliches Bild vom Gasthaus und der Landschaft vor Augen, in der es steht. Kopfkino par excellence. Der Showdown am Ende der Geschichte ist ebenfalls das absolute Highlight in Sachen Soundeffekte und auch hier passt alles. Bravo!

André Maurmann ist dieses Mal für die Musik zuständig und liefert einen überzeugenden Soundtrack ab, der sehr schön die Stimmung der Hauptpersonen zum Ausdruck bringt und die Dramatik der Handlung ideal unterstützt. Die Musik selbst bleibt dabei erfrischend abwechslungsreich. Die Verantwortung für Schnitt und Regie lag in den Händen von Michael Gerdes, der sich der Aufgabe, ein solch langes Hörspiel zu cutten, durchweg gewachsen zeigt. Dass auch diese Produktion dezentral eingesprochen wurde, merkt man an keiner Stelle. Von der technischen Seite her, bietet Die Fälle des Jeffrey Dexter: Die Schatten der Vergangenheit aus meiner Sicht auch nach dem zweiten Hörer keinen Anlass zu Klage. Sehr schön ist übrigens, dass dem Hörer als Bonusmaterial die alternative Version einer Szene samt Kommentar des Cutters präsentiert wird. So etwas gibt es selten, ist jedoch weitaus interessanter als die obligatorischen Outtakes, die man sonst geboten bekommt. Gerne mehr davon!

Die Fälle des Jeffrey Dexter: Die Schatten der Vergangenheit ist ein rundum gelungenes Hörspiel. Da verzeiht man als Fan auch die lange Pause zwischen den einzelnen Episoden. 


WatchmanCL

Blogger und Rezensent

Christian Loges lebt und arbeitet in Aachen. Wenn er nicht gerade bloggt, verbringt er seine Freizeit gerne mit seinen Freunden und in der Natur. Oder er gönnt sich bei einem anständigen Kaffee ein gutes Buch, einen Film, eine Serie, einen Comic oder ein Hörspiel.

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