Wem nützt ein Werbeverbot für ARD und ZDF?

by 24.3.10 0 Kommentare
Seit einigen Tagen geistert der Vorschlag des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, der außerdem Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder ist, durch die Medienlandschaft, das öffentlich-rechtliche Fernsehen in wenigen Jahren werbefrei zu machen. Begründet wird dieser Vorstoß damit, dass die Sender ARD und ZDF auf diese Weise ihr Profil schärfen könnten und sich außerdem die Einnahmesituation der Privatsender verbessere.

Im Detail sieht der Plan vor, die Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bis 2015 um die Hälfte zu kürzen und ab 2017 ganz abzuschaffen. Konsequent ist man dabei allerdings nicht, denn im Rahmen von großen Sportveranstaltungen soll Sponsoring weiterhin erlaubt bleiben. Ach so.

ARD und ZDF haben mit ihrer Fernsehwerbung im letzten Jahr zusammen 376 Millionen Euro erwirtschaftet. Vergleicht man dies mit den Gebühreneinnahmen durch die GEZ in Höhe von deutlich über sieben Milliarden Euro pro Jahr, erscheint dieser Betrag vergleichsweise zweitrangig.

Dennoch muss die Frage erlaubt sein, warum seitens der Rundfunkkommission überhaupt ein Interesse daran bestehen sollte, den Sendern diese Finanzierungsmöglichkeit zu nehmen? Hat nicht gerade Kurt Beck in der Vergangenheit die Forderung von ARD und ZDF nach höheren Fernsehgebühren zurückgewiesen? Genau das hat er getan und vielmehr die Sender für ihre Ausgabenpolitik kritisiert und zum verstärkten Sparen aufgefordert. Ausgerechnet von ihm kommt nun der Vorschlag, die Ausfälle durch das Werbeverbot durch eine Anhebung der GEZ-Gebühren auszugleichen. Wirklich nachvollziehen kann man eine solche Haltung nicht.

Bekommt der Zuschauer wirklich ein besseres Programm, wenn in der ARD und im ZDF keine Werbung mehr zu sehen ist. Mit Sicherheit nicht, denn bereits jetzt sind die Sender nicht unbedingt auf die Werbeeinnahmen angewiesen. Vielmehr ist es der Ideenlosigkeit und Risikoaversion der Programmplaner geschuldet, dass viele Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als Kopien von Formaten der Privatsender daherkommen. Als man die Sendezeit der Politmagazine in der ARD zusammenkürzte, geschah dies nicht, um mehr Werbung innerhalb der Sendung unterbringen zu können. Denn bekanntlich gibt es im Abendprogramm keine Werbeinseln. Angeblich reagierte man damit auf das geringere Zuschauerinteresse an solchen Formaten. Warum muss ein Sender, der sich hauptsächlich aus Gebühren finanziert, überhaupt auf die Einschaltquoten schauen? Er bekommt doch ohnehin sein Geld.

Unterm Stich würden nur die Privatsender von einer solchen Änderung profitieren und deren Lobbyisten ist es offensichtlich gelungen, ausgerechnet den Sozialdemokraten Kurt Beck vor ihren Karren zu spannen. Dass ihnen ein Werbeverbot in der ARD und dem ZDF nur zu recht wäre, ist durchaus nachvollziehbar. Immerhin wandern immer mehr Werbebudgets ins Internet ab und auch die Wirtschaftskrise hat die Werbeeinnahmen der Sender deutlich sinken lassen. Da würde es gut passen, wenn zwei Konkurrenten per Gesetz gezungen wären, sich aus dem Markt zu verabschieden.

Zu optimistisch sollte man allerdings nicht sein, denn ARD und ZDF sprechen durchaus eine andere Zielgruppe als die Privatsender an. So hat man zum Beispiel in Frankreich die Erfahrung gemacht, dass die Werbetreibenden ihre Budgets nicht ins Privatfernsehen verlagert haben, nachdem im Staatsfernsehen keine Werbung mehr gezeigt werden durfte. Vielmehr wurden die Budgets einfach eingespart.

Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob es nicht bei den öffentlich-rechtlichen Sendern noch weiteres Sparpotential gibt, welches bislang noch nicht ausgeschöpft wurde, doch wenn man schon Einnahmen aus der Fernsehwerbung generiert, dann sollte man den Sendern diese Einnahmemöglichkeit nicht auf Kosten höherer GEZ-Gebühren nehmen.

WatchmanCL

Blogger und Rezensent

Christian Loges lebt und arbeitet in Aachen. Wenn er nicht gerade bloggt, verbringt er seine Freizeit gerne mit seinen Freunden und in der Natur. Oder er gönnt sich bei einem anständigen Kaffee ein gutes Buch, einen Film, eine Serie, einen Comic oder ein Hörspiel.

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