Donnerstag, 1. September 2011

Rezension: Killing Beauties (Earliner)

In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre leitete Aaron Spelling mit Drei Engel für Charlie eine Revolution im amerikanischen Fernsehen ein, denn erstmals gingen keine männlichen Detektive auf Ganovenjagd, sondern drei so selbständige wie hübsche Ermittlerinnen. Das Grundkonzept wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach kopiert, die Serie selbst schaffte den Sprung ins Kino und erlebt im Herbst diesen Jahres ein Remake beim US-Sender ABC. Earliner präsentierte am vergangenen Samstag seine eigene Variante des Themas in Form des Hörspiels Killing Beauties, das auf der Website des Labels zum kostenlosen Download bereitsteht.

Sie sind jung. Sie sind intelligent. Sie sind erfolgreich. Und sie haben ein dunkles Geheimnis. Alyssa Matthews und Kelly Roberts sind zwei Top-Models der Modebranche und in jeder Metropole der Welt zuhause. Aber zwischen Catwalk und Fotosession gehen sie noch einer anderen Beschäftigung nach: Sie sind Auftragskiller. In New York erhalten sie den Auftrag, Vincent Van Halen zu töten. Doch der Waffenlieferant wird geschützt wie Fort Knox und scheint zudem ein Geheimnis zu haben, das unbedingt vorher aufgeklärt werden muss. (editierter Ankündigungstext)

Es gibt durchaus zwei Arten, wie man sich Killing Beauties, geschrieben von Erik Albrodt, nähern kann. Die eine besteht darin, die Geschichte aufgrund der Prämisse von vornherein nicht für voll zu nehmen, die andere, sie als ernstgemeinten Thriller zu begreifen. Wer letzteren Weg wählt, wähnt sich zunächst in seiner Auffassung bestätigt, denn in den ersten beiden Szenen, die zeitlich vor der Haupthandlung angesiedelt sind, geht es ziemlich hart zur Sache und man könnte meinen, sie wollten den Hörer auf einen Thriller der Marke Hard Boiled einstimmen. Sobald die Geschichte jedoch in der Gegenwart angekommen ist, kippt sie bzw. schlägt eine deutlich andere Richtung ein.

Die beklemmende Stimmung ist schlagartig wie weggefegt und das Publikum lernt, während es einen gutgelaunten Sprecher durch die Flure und in die Zimmer eines Nobelhotels begleitet, eine neue Methode kennen, die Hauptfiguren einer Hörspielgeschichte zu definieren, nämlich über ihre sexuellen Neigungen! Machen wir es kurz: Alyssa ist Nymphomanin, Kelly eine Lesbe und das Helferlein Leland ist nicht nur schwul, er redet und verhält sich auch so. Jedenfalls, wie man sich als Hetero einen Homosexuellen eben wohl vorstellen soll. Wenn die beiden Beauties nicht gerade modeln, rammeln oder sich von ihrem Homo-Gehilfen aufhübschen lassen, killen sie im Gegenzug für ein fettes Salär im Auftrag des mysteriösen Daddy Leute, die dieser zum Abschuss freigegeben hat, weil man ihnen angeblich auf dem Wege des Gesetzes nicht beikommen kann. Im weiteren Verlauf der Geschichte kann man verfolgen, wie die Vorbereitungen für den Mordanschlag anlaufen, sich einige Komplikationen ergeben und Alyssa zwischendurch einen Polizisten flachlegt, ehe es dann zum Showdown in der Villa des Waffenhändlers kommt. Wer bis zum Finale durchgehalten hat, wird wenigstens mit einer ordentlichen Portion handfester Action für einen ziemlich zähen Plot entschädigt, der nicht sonderlich originell sein will, sondern lieber seine Vorbilder zitieren und auf die Schippe nehmen möchte. In dieser Hinsicht ist die Szene mit Leland als Pizzabote ein echtes Highlight.

Der Cast wird angeführt von Annika Weitershagen als Kelly Roberts und Vera Bunk als Alyssa Matthews. Letzte kam zuvor schon bei Aerophore und Triggers zum Einsatz, ist also eine derzeit recht präsente Stimme. Mit großem Einsatz ist Dirk Hardegen als Leland Chambers zu hören. Vervollständigt wird die Besetzung durch Crock Krumbiegel, Tino Kiessling, Markus Raab, Mareike Möller, Christopher Albrodt, Daniela Albrodt, Lena Scheuerer, Martinique Konhäuser, Melissa Kumpmann, Birgit Bockman, Oliver Theile, Sabine Graf, Marco Rosenberg, Detlef Tams und Ronald Salert. Den Specher gibt Horst Kurth. An der Gesamtleistung aller Beteiligten gibt es nichts auszusetzen.

Schnitt und Regie lagen ebenfalls in den Händen von Erik Albrodt, der in diesen Belangen einen guten Job macht. Die Musik ist stimmig und ihr Einsatz gut getimt. Auch die Soundeffekte und die atmosphärischen Geräusche sind zumeist ansprechend und schaffen einen entsprechenden Klangraum. Für das Cover zeichnet Wolfram Damierus verantwortlich, dem auch dieses Mal wieder eine schöne Grafik gelungen ist, die zum Genre des Hörspiels passt.

Wie bereits gesagt, hängt es stark von der Erwartungshaltung des Publikums ab, wie ihm Killing Beauties gefallen wird. Die ersten Minuten der Produktion sind eine Finte, denn das Hörspiel will nie mehr sein, als leicht verdauliches Popcornkino für die Ohren, auch wenn man zu Beginn mit einem anderen Genre liebäugelt. Der Gesamteindruck leidet etwas unter dieser anfänglichen Unausgewogenheit. Der Plot kämpft vor allem mit der Laufzeit, denn 80 Minuten sind zu reichlich für diese Story. Hier hätte man zugunsten des Spannungsbogens durchaus straffen können. Die Figuren sind etwas eindimensional, jedoch so ausreichend charakterisiert, dass sie dem Hörer nicht egal sind. Für mehr lässt die Handlung nur ansatzweise Freiraum.

Killing Beauties ist gradliniger Hörspaß für Fans von Actionfilmen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Donnerstag, 14. Juli 2011

Hörspielproduktionen durch Crowdfunding: Modeerscheinung oder Zukunftsmodell?

In der deutschen Hörspiellandschaft kriselt es nun bereits seit mehreren Jahren und eine Wende hin zum Besseren ist derzeit nicht in Sicht. Nicht nur, dass andere Medien, wie zum Beispiel das Fernsehen, dem Hörspiel schon lange der Rang abgelaufen haben und das allgegenwärtige Internet illegalen Downloads Tür und Tor öffnet, so ist mit dem Hörbuch inzwischen ein weiterer Konkurrent auf den Plan getreten, der ebenfalls um die Aufmerksamkeit des hörbereiten Publikums buhlt. Allein der schiere Output an Audio Books ist dabei geeignet, das Hörspiel in den Hintergrund zu drängen. Hörbücher sind in, was sich schon daran ablesen lässt, dass dass manche Label ihre Produktionen nicht mehr als Hörspiele sondern als inszenierte Hörbücher anpreisen.

Unter der angespannten Situation haben alle etablierten Label zu leiden. Doch während die großen Produzenten zumindest derzeit noch in der Lage sind, mit den Gewinnen aus gut laufenden Serien Verluste an anderer Stelle wieder auszugleichen, treffen die Umsatzrückgänge die kleinen Label sehr hart und zwingen immer wieder Hörspielschmieden dazu, sich aus dem Markt zurückzuziehen. Letztes prominentes Beispiel ist in diesem Zusammenhang das Label Lausch, das für ansprechende Erwachsenenhörspiele bekannt war. Trotz intensiver Werbung war es den Machern nicht möglich, die Produktionskosten durch den Verkauf der Hörspiele auf CD oder als Download wieder zu refinanzieren. Ein Problem, vor dem alle Label stehen und für das sich nun in Form des Crowdfunding eine mögliche Lösung andeutet.


Was ist Crowdfundig?

Crowdfunding ist eine Idee, die erstmals im Jahr 2000 umgesetzt wurde und bezeichnet eine Art der Finanzierung, bei der Aktionen (Produkte, Projekte oder auch Geschäftsideen von Privatpersonen) durch eine breite Masse an Unterstützern mit Fremdkapital ausgestattet werden. Dabei wird vor dem Start der Aktion ein bestimmter Betrag festgelegt, der erreicht werden soll. Im Verhältnis zu dieser Kapitalmenge leistet jeder einzelne Einzahler (Crowdfunder) nur einen geringen finanziellen Anteil. Für diese Leistung erhält er eine Gegenleistung, die verschiedene Formen annehmen kann (z.B. Rechte, Geld, Sachleistungen). Darüber hinaus kann die Gegenleistung einen ideellen oder altruistischen Wert besitzen. Die Kommunikation zwischen Geldgeber und Emfänger wird inzwischen zumeist über eine Plattform im Internet realisiert. Die erste dieser Art entstand 2009 in den USA. Dort veröffentlichen die Initiatoren eine Beschreibung ihres Projektes, mit der sie Interessierte von der Zweckhaftigkeit ihrer Beteiligung an der Sache überzeugen wollen. Eine wichtige Eingenschaft des Crowdfunding ist außerdem, dass das erzielte Geld zweckgebunden an die jeweilige Aktion ist. Wird der angestrebte Gesamtbetrag nicht erreicht, fließt das Geld wieder an die Einzahler zurück.


Crowdfunding und Hörspiele:

Im Frühjahr 2011 kam Crowdfunding erstmals in den Fokus der deutschen Hörspielszene. Das Label Lauscherlounge startete zu dieser Zeit eine Aktion auf der Crowdfunding-Plattform Startnext mit dem Ziel, die Produktion einer CD mit den Fällen 13 und 14 der Detektivserie Richard Diamond zu finanzieren. 5000 Euro sollten zusammenkommen, um die Honorare der Sprecher, des Musikers, des technischen Personals (Sounddesigner, Mischer, Regisseur), die Presskosten und auch die Kosten für den Versand der Hörspiele an die Unterstützer zu bezahlen. Am Ende wurde sogar ein deutlich höherer Betrag erzielt, denn über 200 Fans zahlten insgesamt 6425 Euro ein. Die Gegenleistungen für die Unterstützer reichten dabei, je nach Höhe ihres finanziellen Engagements, von einer CD mit den neuen Fällen von Richard Diamond (80 Untersützer wählten diese Option für einen Beitrag von 9 Euro) bis hin zu einer kleinen Gastrolle in einem der neuen Hörspiele. Zwei Fans der Serie war für die Möglichkeit, einmal in einer professionellen Hörspielproduktion mitwirken zu können, jeweils 500 Euro wert. Die Hörspiele wurden wie versprochen produziert und die Aktion von allem Seiten als Erfolg gewertet. Vor diesem Hintergrund war es absehbar, dass auch andere Label diesem Beispiel folgen würden.

So läuft derzeit eine Aktion des Labels Pandoras Play, mit dem die dritte Folge der Hörspielserie Terra Mortis gesichert werden soll. Dieses Mal lautet die Zielvorgabe 3000 Euro. Erneut wurde Startnext als Plattform gewählt und auch sonst hat die Aktion von Pandoras Play zahlreiche Gemeinsamkeiten mit jener der Lauscherlounge. Wieder sollen die gesamten Produktionskosten abgedeckt werden und wie gehabt winkt denjenigen, die den Höchstbetrag einzahlen, in diesem Falle sind es 200 Euro, eine kleine Gastrolle. Der Mindestbeitrag liegt dieses Mal bei 10 Euro, für den die Einzahler eine CD mit Terra Mortis 3 frei Haus geliefert bekommen. Die Crowdfunding-Aktion läuft inzwischen seit 22 Tagen und wird noch 78 Tage fortgesetzt. Bislang sind von 64 Unterstützern bereits 2120 Euro eingegangen, weitere 165 Euro sind zugesagt, stehen aber noch aus. Fünf Menschen zahlten bislang insgesamt 400 Euro als Spende ein, denen keine Gegenleistung zugeordnet werden konnte. Von den restlichen 59 Beitragenden steuerten 18 den Mindestbeitrag von 10 Euro bei, 24 bekommen für ihre 25 Euro die Folgen 1 bis 3 von Terra Mortis, signiert von Autor Dane Rahlmeyer. Erheblichen Anteil an der beträchtlichen Summe, die in kurzer Zeit bereits realisiert werden konnte, haben 6 Unterstützer, die für 100 Euro sich zusätzlich zu Terra Mortis 3 noch 10 weitere Hörspiele aus dem Programm von Pandoras Play aussuchen dürfen. Für eine Gastrolle konnte sich bisher noch kein Fan begeistern. Die genannten Zahlen sind nicht mehr als ein Zwischenergebnis nach 22 Tagen Laufzeit, doch es zeichnet sich ab, dass die Chance sehr groß ist, auch diese Aktion zum Erfolg zu machen und Terra Mortis 3 tatsächlich produzieren zu können (Stand der Einzahlungen: 14. Juli 2011).


Die Verantwortlichen von Pandoras Play kommunizierten ihr Vorhaben in mehren Hörspielforen und erhielten neben viel Zustimmung für ihre Vorgehen auch Kritik von Seiten der Fans. So wurde angemerkt, dass es sich bei Terra Mortis 3, anders als bei Richard Diamond, nicht um ein abgeschlossenes Hörspiel handele, sondern um den dritten Teil einer Geschichte, die auf insgesamt sechs Folgen mit durchgehender Handlung angelegt sei. Selbst wenn das Geld für Terra Mortis 3 zusammenkäme, so die Argumentation, sei dadurch immer noch nicht gesichert, dass auch die anderen ausstehenden Teile der Erzählung tatsächlich erscheinen würden. Es bestehe weiterhin die Gefahr, im ungünstigsten Fall trotz aller Zahlungsbereitschaft doch mit einer unvollendeten Geschichte dazustehen, wenn die Finanzierung der restlichen Episoden nicht zustande käme. Auch die Tatsache, dass durch Crowdfundig das unternehmerische Risiko der Macher gegen Null tendiere, während der Hörer die Katze im Sack kaufen müssten, sorgte für Unbehagen bei einigen Forenteilnehmern.

Für zusätzlichen Diskussionsstoff sorgte außerdem der Umstand, dass Pandoras Play recht offenherzig über Verkaufszahlen und Einnahmen Auskunft gab und dazu noch erläuterte, auf welche Einzelposten sich die Gesamtkosten verteilen (beides eher unüblich in der Hörspielszene). In den Augen einiger Beobachter wurden dabei Einsparpotentiale sichtbar, die man bislang seitens des Label noch nicht ausgeschöpft habe. Kritik wurde angesichts der niedrigen Verkäufe auch an der unzureichenden Vermarktung der Hörspielproduktionen von Pandoras Play laut. Unterm Strich, so das Fazit mancher Fans, habe man in der Vergangenheit zu wenig getan, um finanziell über die Runden zu kommen und wolle nun die Verantwortung für die Fortsetzung der Serie komplett auf die Hörer abwälzen. Im Gegenzug gaben die Befürworter der Aktion zu bedenken, dass es sich genau genommen um eine Vorbestellung des Hörspiels handle, was absolut legitim sei und in anderen Branchen auch schon seit längerer Zeit üblich.


Crowdfunding: Ein Zukunftsmodell?

Einmal vorausgesetzt, auch die laufende Aktion von Pandoas Play würde zu Erfolg, dann wäre es immer noch zu früh, Crowdfunding zum Allheilmittel für die Finanzprobleme der kleineren Hörspiellabel zu erklären, denn der wahre Stresstest steht immer noch aus. Dieser besteht darin, die erste Folge einer komplett neuen Serie vorab von den Hörern finanzieren zu lassen. Bei Richard Diamond und Terra Mortis dienten immerhin die vorausgegangenen Episoden als Referenz für die Qualität der Serien und die Ausssicht, deren Fortsetzung durch eine Finanzspritze ermöglichen zu können, half dabei, die Brieftaschen der Fans zu öffnen. Doch wie wird es sich bei einem völlig neuen Projekt verhalten? Eine Synopse der vorgesehen Handlung zu präsentieren, wird da nicht ausreichen. Wird man mit einem bekannten Autor werben oder tollen Sprechern, die man im Erfolgsfalle unter Vertrag nehmen könne? Wird man auf eigene Kosten ein Demo produzieren, dass die Unterstützer überzeugen soll? Wenn die Zeit dafür reif ist, dass auch solche Vorhaben mittels Crowdfunding realisiert werden sollen, wird von den Initiatoren Kreativität gefragt sein.

Den Kunden in finanzieller Hinsicht zum Produzenten zu machen, bedeutet in jedem Fall auch neue Fallstricke für die Label. Noch sind die Fans dankbar dafür, dass sie helfen dürfen, die in Not geratenen Serien am Leben erhalten zu können. Doch es wird der Moment kommen, an dem die Geldgeber Einfluss auf das Produkt nehmen wollen. Denn immerhin bestimmen diejenigen die Musik, die sie auch bezahlt haben. Vereinzelte Forderungen, man wolle vor einer finanziellen Beteiligung an Terra Mortis 3 zuerst das Skript der Episode sehen, gab es bereits. Doch kämen die Label diesem Ansinnen nach, wie sollten sie sich anschließend verhalten, wenn sie mit Änderungswünschen ihrer Unterstützer konfrontiert würden? Die Vorstellungen von 100 oder mehr Einzahlern zu berücksichtigen, ist schier ein Ding der Unmöglichkeit, denn jene Stelle im Skript, die dem einen so gut gefällt, will der nächste komplett gestrichen haben. Die gleiche Problematik ergäbe sich auch im Hinblick auf die Besetzung des Hörspiels, denn jeder Fan hat da so seine Favoriten. Hörspiele sind zwar immer ein Gemeinschaftsprojekt, doch kann man sie wirklich demokratisieren? Und selbst wenn, käme dabei ein besseres Produkt heraus? Zweifel sind durchaus angebracht.

Soweit man es derzeit sagen kann, besitzt Crowdfunding das Potential, die Hörpsielszene im Bezug auf die Finanzierung zukünftiger Produktionen nachhaltig verändern zu können. Noch ist nicht absehbar, ob wir bald zahlreiche Aktionen dieser Art sehen werden, doch zumindest an Labeln, die daran interessiert wären, die Herstellungskosten vorab auf diese Weise decken zu lassen, besteht aktuell kein Mangel. Dafür geht es zu vielen kleinen Herausgebern finanziell zu schlecht, als dass sie diese Möglichkeit für sich leichtfertig ausschließen könnten. Auf Hörspielmacher und -fans kommen auf jeden Fall interessante Zeiten zu.




Donnerstag, 24. März 2011

Rezension: Narcisse (Hoerspielprojekt)

Kriminalgeschichten nehmen im Portfolio von Hoerspielprojekt bereits seit längerer Zeit einen festen Platz ein. Ende Februar erschien mit Narcisse eine Produktion aus der Feder von Karsten Sommer, die im Paris der ersten Jahre nach dem zweiten Weltkrieg spielt. Im Zentrum der Geschichte steht der Privatdetektiv Narcisse Astor Courtemanche, der von einem zwielichtigen Geschäftsmann den Auftrag bekommt, dessen verschwundene Frau zu finden. Wie sich herausstellen wird, handelt es sich hierbei nicht um einen Routineauftrag. Das Hörspiel hat eine Länge von ca. 34 Minuten (inkl. Credits) und kann kostenlos bei Hoerspielprojekt heruntergeladen werden.

Der Autor möchte sein Hörspiel als eine Hommage an den Film Noir verstanden wissen und in der Tat finden sich viele Elemente dieser Stilrichtung in Narcisse. Die Titelfigur ist kein strahlender Held, sondern ein Private Eye, dem es hauptsächlich darauf ankommt, sein finanzielles Überleben zu sichern. Die Motive seiner Klienten sind dabei bestenfalls zweitrangig und aus dem Zynismus, welchen er seinen Mitmenschen gegenüber empfindet, macht er keinen Hehl. Humphrey Bogarts Philip Marlowe aus Tote schlafen fest lässt schön grüßen. Auch die anderen Figuren könnten mit ihrer Verschlagenheit und Bösartigkeit einem Roman von Raymond Chandler entstiegen sein, wäre da nicht Paris als Ort der Handlung. Dies ist eine erfreuliche Abwechslung zu vielen anderen Geschichten, die zumeist in Amerika spielen.

Die Geschichte selbst ist etwas konventionell, dabei aber spannend erzählt. Karsten Sommer nutzt seine Hauptfigur als Ich-Erzähler und steigt nahe dem Finale der Handlung in die Geschichte ein, um dann schnell an deren Anfang zu springen und so die Ausgangslage zu erläutern. Dieses Wechselspiel zwischen den beiden Zeitebenen setzt sind im Verlauf des Hörspiels fort und es entsteht ein Spannungsmoment, dem es problemlos gelingt, den Hörer bei der Stange zu halten. Allzu zart besaitet sollte man übrigens nicht sein, denn Narcisse ist ein Mann, der austeilt und auch viel einstecken muss, was zu teilweise recht drastischen Szenen und Schilderungen führt, die vielleicht nicht jedem gefallen werden. Sie passen aber absolut zum Noir-Stil und sind eine Reverenz an die Pulpromane der 1930er und 1940er Jahre, die ebenfalls nicht mit Gewalt geizten. Angesichts der begrenzten Laufzeit holt Karsten Sommer nahezu das Maximum aus der Geschichte heraus.

Als Narcisse Astor Courtemanche ist Christoph Memmert zu hören, seinen Auftraggeber Henry Clairmont spricht Jan Schroeder. Beide haben ihre Parts im Griff und besonders Memmert gelingt es sehr schnell, die Figur des Narcisse im Kopf des Publikums zu etablieren. Auch beim Rest des Casts, der aus Ernszt Dubitzky, Christiane Marx, Jens Wenzel, Jennifer Tuttlies, Oliver Kube, Marco Ansing, Marc Schülert, Stefan Sauerzapf und Andreas Hegewald besteht, hatte Karsten Sommer eine glückliche Hand, denn alle Sprecherinnen und Sprecher sind in Hochform. Da stören manche kleinen Schwächen bei der Aussprache französischer Begriffe auch nicht.

Dass Karsten Sommer mit dieser Produktion sein Debüt als Regisseur und Cutter gibt, will man auf den ersten Blick gar nicht glauben, denn der Schnitt ist absolut professionell. Die Stimmen sind räumlich toll verteilt und die Soundeffekte genau passend eingesetzt. Dies gilt auch für die atmosphärischen Klänge und die Musik, die nicht nur die Handlung optimal unterstützt, sondern das Publikum perfekt ins Paris der Nachkriegszeit versetzt. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet und dies zahlt sich auf ganzer Linie aus. Die vom Autor gesprochenen Credits sind wohl das Sympathischste, was man in dieser Richtung jemals gehört hat.

Alle genannten Faktoren könnten Narcisse zu einem tollen Hörspiel machen und das ist es auch, jedenfalls bis ca. 60 Sekunden vor dem Ende, denn in dieser kurzen Spanne macht der Autor viel von dem kaputt, was er vorher so überzeugend aufgebaut hat. Anstatt der Handlung zu einem konsequenten Finale zu verhelfen, verpasst Sommer seinem Hörspiel einen überraschenden Schluss, der die gesamte Erzählung in einem komplett anderen Licht erscheinen lässt. Der Teufel weiß, was ihn dazu verleitet hat, seine Geschichte auf diese Art ab absurdum zu führen, denn es gibt keinen zwingenden Grund für dieses Vorgehen. Auch hat er es unterlassen, seine Hörer in irgendeiner Weise vorzubereiten, weshalb sich unweigerlich das Gefühl breit macht, auf Kosten einer vermeintlichen Schlusspointe um ein angemessenes Ende dieser wirklich interessanten Geschichte gebracht worden zu sein. Einfach nur schade.

Narcisse ist ein Hörspiel, dass über weite Strecken Spaß macht, sein Publikum gut unterhält und sowohl von den Sprechern als auch von der technischen Seite her überzeugen kann. Das Ende ist sicherlich Geschmackssache und mir gefällt es auch nach wiederholtem Hören nicht. Lohnend ist Narcisse dennoch auf jeden Fall.

Sonntag, 13. März 2011

Rezension: Murder Documents 01: Haarmann (Hoerspielprojekt)

Obwohl sie angesichts ihrer Taten zumeist nur Ekel, Abscheu oder Wut empfindet, üben Serienmörder jedoch gleichzeitig eine kaum erklärbare Faszination auf ihre Umwelt aus, welche sogar teilweise die Jahrzehnte überdauert. Ein Name hat sich in diesem Zusammenhang ins Gedächtnis der Deutschen eingebrannt wie kein zweiter: Fritz Haarmann. Bis heute ist unklar, wie viele Menschen dem Schlächter von Hannover tatsächlich zum Opfer fielen. Nachgewiesen wurden ihm 27 Morde, wegen denen er im Jahre 1924 von einem Gericht zum Tode verurteilt wurde. Das Urteil wurde 1925 vollstreckt.

Der Fall Haarmann ist auch deshalb gut dokumentiert, weil der Serienmörder dem Psychologen Ernst Schultze, der dessen Schuldfähigkeit feststellen sollte, über Wochen bereitwillig Auskunft über sein Vorleben und die Umstände gab, die ihn zu seinen Taten getrieben hatten. Auf diesen Unterlagen basiert Murder Documents 01: Haarmann, eine bemerkenswerte neue Produktion von Hoerspielprojekt mit einer Laufzeit von 64 Minuten, die zum kostenlosen Download zur Verfügung steht.

Diese Art von Hörspiel ist für das Hoerspielprojekt eine Premiere, denn erstmals wird keine fiktive Geschichte erzählt, sondern ein Zeitdokument vorgelegt, dass sich nicht nur auf einen realen Fall bezieht, sondern für das Skript wurde auf Originaldokumente zurückgegriffen, die das Bild eines zunächst verstörten und schließlich gestörten Menschen zeichnen, von dem man zwar nicht sagen darf, er hätte keine andere Wahl gehabt, dem von seinen Mitmenschen aber auch in einer Art und Weise übel mitgespielt wurde, wie man es sich kaum vorstellen mag. Selbst im Gewahrsam der Polizei haben die seelischen Grausamkeiten kein Ende. Es ist sehr wichtig für das Gesamtbild, dass Autor Roland Möntemann die Rolle, welche die Polizei im Fall Haarmann gespielt hat, nicht außen vor lässt. Zu behaupten, die Gesellschaft erst habe das Monster von Hannover erschaffen, ist mit Sicherheit eine unzulässige Verkürzung. Jedoch haben die gesellschaftlichen Verhältnisse der frühen Weimarer Republik, die vorherrschenden moralischen Vorstellungen und wirtschaftlichen Zustände auf jeden Fall eine wichtige Rolle dafür gespielt, was aus Fritz Haarmann schließlich geworden ist.

Alle wichtigen Einflussfaktoren werden in dem Hörspiel berücksichtigt, das viele harte Szenen enthält, die auch deshalb solche Intensität besitzen, weil sie nicht der Fantasie eines Autors entsprungen, sondern wirklich so geschehen sind. Führt man sich dies während des Hörens immer wieder vor Augen, wird es manchmal schwer, das Geschehen zu ertragen. Doch es ist dem Autor hoch anzurechnen, dass er die Fakten nicht abgemildert hat, um das fertige Werk leichter verdaulich zu gestalten, sondern bei der Wahrheit geblieben ist, so unangenehm sie auch sein mag.

Der Cast von Murder Documents 01: Haarmann ist sehr umfangreich, denn es galt, nicht weniger als 30 Rollen zu besetzen. Felix Würgler spielt den immer mehr abdriftenden Haarman mit beeindruckender Authentizität und bewältigt selbst schwierigste Passagen mit Bravour. Seiner Leistung ist es zu verdanken, dass das Hörspiel seine Intensität entfalten kann. Doch auch vor der Leistung der anderen Sprecherinnen und Sprecher muss man den Hut ziehen, denn sie alle können mehr als nur überzeugen, was bei einer so umfangreichen Besetzung absolut keine Selbstverständlichkeit ist.

Der Schnitt von Ryan´O´ Hershey, der auch für die Musik verantwortlich zeichnet, ist auf hohem Niveau und bietet keinen Anlass zur Beanstandung. Die Musik hält sich meistens im Hintergrund, unterstützt das Geschehen aber wirkungsvoll. Die Soundkulisse ist atmosphärisch gut und aufwändig gestaltet. Die Distanz des Hörers zum Geschehen wird teilweise nahezu aufgehoben und man hat plötzlich das Gefühl, selbst eines der Opfer von Haarmann zu sein. Die Beklemmung, die damit verbunden ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Herbert Ahnen hat ein sehr schönes Cover für die Produktion geschaffen, das im Stile einer alten Ermittlungsakte gehalten ist. Nichts könnte besser passen, basiert das Hörspiel doch auf den Originalunterlagen aus jener Zeit.

Murder Documents 01: Haarmann ist eine ambitionierte Produktion von Hoerspielprojekt und der Aufwand, der für dieses Hörspiel getrieben wurde, hat sich in jeder Hinsicht ausgezahlt. Man muss es Autor Roland Möntemann hoch anrechnen, dass er sich an dieses schwierige Thema herangewagt hat und dem allen Sprecherinnen und Sprechern ein großes Kompliment dafür machen, wie es ihnen gelungen ist, die Personen der Handlung vor dem inneren Auge der Hörerschaft zum Leben zu erwecken.

Wer auf der Suche nach einem nicht alltäglichen Hörspiel auf sehr hohen Niveau ist, der sollte sich Murder Documents 01: Haarmann nicht entgehen lassen.

Mittwoch, 2. März 2011

Rezension: Das Mayfield Pensionat – Mrs. Bingles Geheimnis (Hörspiel)

Die MindCrusher Studios sind mit ihren thematisch sehr abwechslungsreichen Produktionen inzwischen ein fester Bestandteil der freien Hörspielszene. Am 7. November 2010 veröffentlichte man mit Das Mayfield Pensionat – Mrs. Bingles Geheimnis eine Geschichte aus der Feder von Frank Hammerschmidt. Im Mittelpunkt stehen die Schülerinnen Mary Ann, Viktoria, Beth und Emma, die im Irland der 1920er Jahre einem dunklen Geheimnis auf die Spur kommen wollen, das ihre unheimliche Lehrerin Mrs. Bingle umgibt. Bei ihren Nachforschungen geraten nicht nur sie, sondern auch eine Mitschülerin in Lebensgefahr. Das Hörspiel hat eine Länge von ca. 53 Minuten und kann von der Website der MindCrusher Studios kostenlos heruntergeladen werden.

Mit der Wahl der Ausgangssituation erweist der Autor zunächst der großen Enid Blyton Reverenz, die in unzähligen Geschichten Gruppen von Heranwachsenden Geheimnisse untersuchen und Verbrechen aufklären ließ. Da werden Erinnerungen wach an die Abenteuer der Fünf Freunde, der Verwegenen Vier oder der Schwarzen Sieben. Doch schnell geht die Handlung durch das Einflechten von Mystery- und Gruselelementen in die ansonsten traditionellen Erzählstrukturen zügig eigenständige Wege. Zwar werden auch einige Klischees bedient, so darf zum Beispiel ein Besuch auf einem Friedhof nicht fehlen, doch schafft es Hammerschmidt, der Thematik neue Facetten abzugewinnen, ohne dabei die Logik aus dem Fenster zu werfen. Das Erzähltempo ist der Geschichte angemessen. Unangenehme Längen gibt es nicht, da der sorgsam ausgearbeitete Spannungsbogen bis zum Ende konsequent durchgehalten wird. Es ist schön, dass es noch Geschichten gibt, die zwar schnörkellos daherkommen, den Hörer aber zu fesseln verstehen und ihm auch den einen oder andren Schauer über den Rücken laufen lassen, ohne dabei unnötig drastisch zu werden.

Eine wichtige Ursache dafür, dass der Hörer sich gerne auf die Handlung einlässt, sind die sympathischen Protagonistinnen. Schnell baut der Hörer eine Beziehung zu Mary Ann, Viktoria, Beth und Emma auf, die teilweise recht unterschiedliche Charakterzüge haben. Obwohl das Hörspiel eindeutig plotorientiert ist, bleibt genug Zeit für diese feinen Nuancen in der Zeichnung der Figuren. Dass die vier dem Hörer ans Herz wachsen ist auch unabdingbar dafür, dass der dramatische Showdown eine Wirkung erzielen kann. Manche Hörspiele scheitern an dieser Aufgabe, doch Frank Hammerschmidt meistert die Herausforderung souverän. Die Gegenspielerin Mrs. Bingle ist im Vergleich zu den Heldinnen über weite Strecken etwas eindimensional geraten. Nie besteht ein Zweifel, dass sie das Böse in dieser Geschichte repräsentiert. Dieses Defizit in der Charakterisierung ist aber unterm Strich verzeihlich. Vom erzählerischen Standpunkt her kann Das Mayfield Pensionat – Mrs. Bingles Geheimnis insgesamt sehr überzeugen.

Mary Ann, Viktoria, Beth und Emma werden gesprochen von Michelle Braaf, Lea Plein, Lisa Hoffmann und Germaine Plein. Alle vier stellen sich der Aufgabe, ein Hörspiel tragen zu müssen, mit Bravour und liefern eine tolle Leistung ab. Sabrina Heuer stellt als Mrs. Bingle ihre Vielseitigkeit unter Beweis und ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Helmut Buschbeck, Kirsten Schuhmann, Stefanie Punke, Ralf "Searge" Pappers, Jan Boysen, Oda Plein und Lars Havemann als Erzähler vervollständigen den wirklich guten Cast, der sich keine Blöße gibt und durch viel Spielfreude begeistert.

Sound und Musik wurden gut auf die Handlung abgestimmt. Dadurch entsteht ein Klangraum, der die Geschichte im Kopf des Publikums plastisch werden lässt. Etwas Luft nach oben besteht  bei den Soundeffekten allerdings noch. Was den Schnitt angeht, für den Oda Plein verantwortlich zeichnet, so zeigt sich auch diese Produktion auf dem gewohnt hohen Niveau der MindCrusher Studios.

Das Mayfield Pensionat – Mrs. Bingles Geheimnis ist ein echter Volltreffer, denn alte wie junge Hörspielfans werden hier toll unterhalten. Hoffentlich erleben Mary Ann, Viktoria, Beth und Emma bald wieder neue Abenteuer.


Mittwoch, 4. August 2010

Mein derzeitiger Lieblingsspot

Im Grunde bin ich kein Fan von Werbespots. Im Fernsehen nerven sie, weil Spielfilme und Serien für diese Verbrauerhinweise unterbrochen werden und im Kino verzögern die den Start des Films, für den man eigentlich gekommen und Geld bezahlt hat.

Vor einigen Tagen habe ich im Kino den folgenden Werbespot gesehen und muss zugeben, dass er bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. So muss man es machen, wenn man sich als Unternehmen ein positives Image verschaffen will.

Hier ist der Spot:

Das Lied, das man während des Spots hört, heißt übrigens The Impossible Dream, gesungen von dem großartigen Andy Williams, den heute wahrscheinlich kaum mehr jemand kennt. In den 1960er Jahren war er einer der größten Entertainer der USA.

Dienstag, 3. August 2010

Rezension: Solpicierre (hoerspielprojekt)

Während die meisten von uns versuchen, möglichst viel Zeit in der Sonne zu verbringen, widmet sich eine neue Produktion von hoerspielprojekt den Kreaturen der Nacht: Vampiren. Diese Spezies erfreut sich seit einiger Zeit besonderer Beliebtheit bei Autoren und Publikum und erlebt im Moment mit der Twilight-Reihe einen Hype sondergleichen. Solpicierre, so der Titel des neuen Hörspiels, geht das Thema allerdings nicht so romantisch verklärt an. Die Geschichte hat eine Laufzeit von ca. 58 Minuten und stammt aus der Feder von Anne Kahnwald. Wie alle Produktionen von hoerspielprojekt steht sie zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Alles beginnt in einem winzigen, unbekannten Ort, in dem eine düstere Legende im wahrsten Sinne des Wortes begraben liegt. Eines Tages macht sich Edouard Viniere zusammen mit seinen beiden Soehnen Pierre und Jacques auf, diese Legende zu erforschen. Was sie entdecken, wird ihr Leben für immer verändern. Ein Vertreter des Alten Roms taucht auf sowie ein Blutsauger, der erst noch einer werden muss. (Text des Backcovers)

In der zurückliegenden Zeit habe ich an dieser Stelle und vor allem im meinem Science-Fiction-Blog mehrfach Hörspiele vom hoerspielprojekt rezensiert. Ich habe mich dabei unter anderem von dem Gedanken leiten lassen, dass die Kreativen, wenn sie schon kein Geld für den Download ihrer Produktionen verlangen, wenigstens Anspruch auf ein ordentliches Feedback seitens der Hörer haben. So ist es auch in diesem Fall.

Wie bereits erwähnt, schwimmt Solpicierre nicht auf der Mainstreamwelle mit, sondern will der romantischen Verklärung des Vampir-Mythos eine Absage erteilen. Zunächst keine Spur von Teenie-Dramen à la Twilight, hier geht es nach wenigen Minuten bereits richtig zur Sache und die ersten Opfer sind zu beklagen. Der Einstieg in die Geschichte ist durchaus gelungen. Die Handlung nach Frankreich zu verlegen, ist eine schöne und unverbrauchte Idee. Dass es nicht gut enden kann, wenn unbedarfte Hobbyarchäologen in alten Gewölben herumstöbern, ist dem Hörer zwar von Beginn an klar, doch passende atmosphärische Sounds, dramatische Musik und ein toller Markus Raab als Erzähler sorgen dafür, dass es dem Hörer kalt den Rücken runterläuft, wenn die drei Vampirfürsten  Azraêl, Izmaêl und Razmaêl aus dem Totenreich in unsere Welt zurückkehren. An dieser Stelle freut man sich darauf, was die drei Blutsauger wohl als nächstes vorhaben.

Doch kaum hat man sich auf das böse Trio eingelassen, da schwenkt die Geschichte um. Im Mittelpunkt steht nun der Jungvampir Constantin, der aus einem nicht näher erläuterten Grund ein Übervampir werden soll. Einen Großteil der Handlung kann man nun seine ersten Schritte als Vampir mitverfolgen. Da ist es also doch, das Thema Teenie-Vampir. Schade, denn der ganze Plot um Constantin lenkt unnötig von Azraêl, Izmaêl und Razmaêl ab (wieso muss ich bei den Namen eigentlich immer an Tick, Trick und Track denken?), welche die wesentlich interessanteren Charaktere sind. Erst zum Finale spielen sie wieder die Hauptrolle und die Handlung nimmt entsprechend erneut richtig Fahrt auf. Nun stellt sich auch das Gänsehaut-Feeling wieder ein, dass man seit dem furiosen Beginn so schmerzlich vermisst hat. 

Alles dazwischen zerrt doch deutlich an den Geduldsfäden der Zuhörer. Natürlich kann man beide Handlungsstränge auch in einer Geschichte unterbringen, doch Solpicierre nimmt sich keine Zeit, auch nur einen von diesen anständig zu entwickeln. Zieht man Abspann und Outtakes ab, so bleiben gerade einmal 52 Minuten, in die man die gesamte Handlung gequetscht hat. Wieso die Eile? Das Publikum hört dankbar auch noch dreißig weitere Minuten zu, wenn ihm eine gute Geschichte geboten wird. So bleibt leider zu viel im Ansatz stecken. Außerdem provoziert man so unnötige Logikfehler, auf die ich im Detail nicht eingehen will.  All dies hinterlässt beim Hörer ein flaues Gefühl im Magen. Irgendwie hebt sich alles gegenseitig auf. Am Schluss steht man als Hörer unschlüssig da und weiß nicht, was man von den Handlungsfragmenten halten soll, denen man da knapp eine Stunde lang gelauscht hat.

Dazu trägt auch das Ende bei, das eigentlich gar keines ist, denn die Handlung hört einfach abrupt auf. Soll es zu diesem Hörspiel noch einen zweiten Teil geben? Oder ist das Ganze gar als Serie geplant? Das Lexikon, dass man sich mit dem Hörspiel herunterläd und immerhin 23 Audiobeträge mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 13 Minuten enthält, deutet jedenfalls darauf hin. Zum Verständnis dieser Geschichte, wird es allerdings nicht benötigt. Wäre ja auch schlimm, wenn sich die Handlung nicht aus sich selbst erklären würde. Auf jeden Fall findet sich weder vor oder nach dem Abspann einen Hinweis, wie die Handlung fortgeführt wird. Auch auf dem schön gestalteten Cover, dass man sich bei Interesse ausdrucken kann, findet man nichts dazu. Dies ist nicht zuletzt deshalb problematisch, weil man jene Hörer, die sich auf eine abgeschlossene Geschichte gefreut haben, nahezu zwangsläufig enttäuscht.

Die Sprecher machen das Beste aus der Geschichte und liefern durch die Bank eine gute Leistung ab. Der rein männliche Cast, bestehend aus Markus Raab, Jan Schroeder, Robert Kerick, Markus Haacke, Tobias Diakow,    Ralf „Searge“ Pappers, Roman Ewert, Max Gorsky, Marcel Kubik, Paul P.  Burghardt, Torsten Paubandt, Björn Korthof, Robert Knolmar, Sascha Kiss und Michael Gerdes geht in seinen Rollen auf und hinterlässt einen positiven Eindruck. Besonders Jan Schroeder ist mir nachhaltig aufgefallen, denn so wie er die Figur Azraêl angelegt hat, stellt man sich einen bösen Vampirfürsten vor. Der Mann macht mir Angst.

Was die technische Umsetzung angeht, so gibt es auch nach mehrmaligem Hören keinen Anlass zur Klage. Der Schnitt geht absolut in Ordnung und die eingesetzten Soundeffekte schaffen einen Klagraum, der den Hörer durchweg in die richtige Stimmung versetzt. Daran hat auch die Musik des Hörspiels ihren Anteil, welche die Handlung stets gut unterstützt. Jan Schroeder, bei Solcipierre für Cut und Musik verantwortlich, kann mit seiner Arbeit wirklich zufrieden sein.

Das Cover, gestaltet von Wolfram Damerius, hatte ich bereits kurz erwähnt. Er bleibt seinem Stil treu und schafft eine düstere und bedrohliche Atmosphäre, sehr stimmig mit der Handlung des Hörspiels.

Solpicierre hat viele Anlagen, die ein gutes Hörspiel ausmachen, leidet jedoch unter einer unausgewogenen Handlung, die zu viel will und darum umso weniger erreicht. Mehr Laufzeit oder die Konzentration auf einen Handlungsstrang hätten der Geschichte gut getan. Die Charaktere bekämen so mehr Profil und der Hörer würde sich dann auch wirklich für sie und ihr Schicksal interessieren. Die Ansätze dafür sind ohne Zweifel vorhanden.

Bei aller Kritik hoffe ich sehr, dass die Geschichte eine Fortsetzung erfährt. Denn es wäre wirklich schade, wenn wir nichts mehr von den drei Vampirfürsten Azraêl, Izmaêl und Razmaêl hören würden.


Link: Download des Hörspiels bei hoerspielprojekt

Donnerstag, 1. Juli 2010

Rezension: KomA (hoerspielprojekt)

Was braucht es, damit ein durchschnittlicher Teenager  die Kontrolle über sich verliert und eine Handlung begeht, die seinem Wesen scheinbar überhaupt nicht entspricht? Dieser Frage geht Autor Paul Burghardt in seinem Hörspiel KomA nach, das seit letztem Sonntag auf der Website von hoerspielprojekt  zum kostenlosen Download bereitsteht. Die Antwort ist so trivial wie schockierend:  Eigentlich nicht viel.

Philipp ist einer von Millionen Menschen auf der Welt und unterscheidet sich nicht vom Rest. Sein Leben sowie sein Charakter zeichnen sich durch Gewöhnlichkeit und auffällige Unauffälligkeit aus. Bis zu jenem Tag... bis zu jenem Ereignis... (Klappentext)

Autor Paul Burghardt nimmt sich in KomA dem ernsten und aktuellen Thema der Amokläufe von jungen Menschen an Schulen an. Ein Phänomen, über dessen Ursachen seit den Ereignissen am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt vom 26. April 2002  in Deutschland heftig und nicht nur sachlich diskutiert wird. Wer trägt die Schuld? Sind es überforderte Lehrer, gleichgültige Eltern, gewalttätige Mitschüler oder die Medien mit ihren Gewalt verherrlichenden Filmen? Welche Rolle nehmen Killerspiele ein? Oder sind die Täter einfach nur verrückt? Das Hörspiel betrachtet die Ereignisse aus Sicht des Täters und gibt uns einen Einblick in seine Psyche. In Rückblicken erzählt die Hauptfigur von den letzten Tagen vor dem Ereignis und davon, was schließlich zur Katastrophe geführt hat.

Die Charaktere der Geschichte sind glaubwürdig, auch wenn man sich mancher Klischees bedient hat. Mindern tut dies die Relevanz der Figuren und der Handlung in keinster Weise. Tobias Diakow spricht die Hauptfigur Philipp sehr natürlich und macht sie für den Hörer greifbar. Sicherlich keine einfache Rolle, doch Diakow kann vollauf überzeugen.
Auch die anderen Sprecherinnen und Sprecher brauchen sich mit ihren Leistungen nicht zu verstecken. Joachim Klotz, Robert Kerick, Max Gorsky, Labinnah Ibanez, Marianne Häberli, Andreas Hegewald, Paul Burghardt, Stefanie Puke, Erik Albrodt, Sabine Graf und Sandra Engel sprechen ihre Rollen, unabhängig von deren Größe, mit viel Engagement.

Die Soundeffekte und besonders die Hintergrundgeräusche werden dezent eingesetzt. Zumeist sind sie stimmig, obwohl noch etwas Luft nach oben wäre. Die räumliche Verteilung der Stimmen könnte in manchen Szenen noch ausgefeilter sein und am Raumklang wurde etwas gespart. Beispielsweise soll der Hörer in einer Szene glauben, dass mehrere Personen einen Gang hinunterlaufen, doch es klingt vielmehr, als würden sie auf der Stelle treten. Dem Gesamteindruck des Hörspiels tut dies hingegen keinen Abbruch. Ansonsten gibt es an technischen Umsetzung, wie etwa dem Schnitt von KomA, absolut nichts auszusetzen.
Zwar hat man für diese Produktion auf einen speziell dafür geschrieben Soundtrack verzichtet, die Tracks von Kevin MacLoad, die man unter Verwendung der CC-Lizenz im Hörspiel verwendet, passen aber hervorragend zur Handlung und zur Stimmung in den jeweiligen Szenen.

Besondere Erwähnung verdient das Cover des Hörspiels, das von Wolfram Damerius gestaltet wurde. Es setzt nicht auf überflüssige Dramatik, sondern weckt die Aufmerksamkeit des Hörers durch seine Schlichtheit, die klare Aufteilung der Bildelemente und der nahezu vollkommenen Verweigerung von Farbe. Ein tolles Cover, dass perfekt zur Stimmung des Hörspiels und seiner Hauptfigur passt.


KomA ist ein ungewöhnliches Hörspiel, dass es wagt, ein heißes Eisen anzupacken. Dass dies erfolgreich und seriös gelingt, liegt nicht zuletzt daran, dass hier nicht gewertet oder gar verurteilt wird. Der Hörer soll sich seine eigenen Gedanken machen und selbstständig eine Meinung zu dem Gehörten entwickeln. Mit diesem Ansatz ist KomA ein wichtiger Beitrag zu einem gesellschaftlichen Problem, dem viele Menschen ratlos gegenüberstehen.

Für das hoerspielprojekt ist KomA ebenfalls ein wichtiges Ereignis. Zum ersten Mal legt man eine Produktion mit gesellschaftspolitischer Relevanz vor, die beweist, dass es gerade die Non-Profit-Hörspiele sind, die das Medium voranbringen. Sie können es sich erlauben, jenseits von wirtschaftlichen Erwägungen die Themen aufzugreifen, denen sich die kommerziellen Label niemals widmen werden.

Wer glaubt, aus den Medien die ganze Wahrheit über die Ereignisse und die Täter von Erfurt bis Winnenden erfahren zu haben, der kann KomA ignorieren. Wer allerdings der Meinung ist, das die Wirklichkeit komplexer ist, der sollte sich KomA auf jeden Fall anhören.


Link: Download von KomA bei hoerspielprojekt

Samstag, 5. Juni 2010

Rezension: Die Fälle des Jeffrey Dexter: Die Schatten der Vergangenheit (hoerspielprojekt)

Lange hat es gedauert, doch am 28. Mai 2010 erschien mit der zweiten Folge endlich die lang ersehnte Fortsetzung der Hörspielserie Die Fälle des Jeffrey Dexter. Immerhin liegen mehr als zwölf Monate zwischen der Premiere der ursprünglichen Version des ersten Teils (eine überarbeitete Fassung erschien Anfang Oktober 2009) und der neuen Episode Die Fälle des Jeffrey Dexter: Die Schatten der Vergangenheit. Aber das Warten hat sich absolut gelohnt.

Ein mysteriöser Brief und ein abgelegenes Gasthaus scheinen die einzigen Anhaltspunkte für Privatdetektiv Jeffrey Dexter zu sein, seinen entführten Adoptivsohn Tom zu finden. Während Dexter und sein Partner Terry Miller den Spuren folgen, werden beide von den Schatten Ihrer eigenen Verhangenheit eingeholt. Ein unerbittlicher Wettlauf um Leben und Tod beginnt ...

Es ist von Vorteil, sich den ersten Teil angehört zu haben, bevor man in diese Produktion einsteigt. Wer dies nicht möchte, für den hält die Fortsetzung zu Beginn einen kurzen Rückblick auf das bisherige Geschehen bereit. Die Story der neuen Folge schließt nahtlos an jene des Serienauftakts an, was nicht überrascht, endete die Handlung doch seinerzeit mit einem bösen Cliffhanger. Das Hörspiel nimmt sich ordentlich Zeit, seine Geschichte zu erzählen, was es bedenkenlos tun kann, stehen ihm dafür immerhin knapp 92 Minuten zur Verfügung. Dieses Mal ermitteln Dexter und Co. nicht mehr in London, sondern in der Provinz, was eine willkommene Abwechslung zu vielen anderen Hörspielen ist, die eher auf eine urbane Umgebung setzen. Bedingt durch den Ortswechsel werden zahlreiche neue Figuren eingeführt, doch der Hörer behält stets den Überblick, denn bei der Auswahl der Stimmen wurde sehr gut auf deren Unterscheidbarkeit geachtet. Sicherlich kein leichtes Unterfangen, galt es, insgesamt 21 Rollen mit Sprecherinnen und Sprechern zu besetzen.

Die Handlung ist gut strukturiert und schafft es ohne Probleme, den Hörer über die gesamte Laufzeit zu unterhalten. Dabei zahlt es sich aus, dass die beiden Erzählstränge des Hörspiels gekonnt parallel zueinander geführt werden, ehe sie in einem fulminanten Showdown kulminieren. Die Dialoge sind geschliffen und haben ein hohes sprachliches Niveau. Vor allem gelingt es der Autorin Marianne Häberli, den Figuren jeweils einen eigen Sprachstil zu geben. So unterscheidet sich Jeffey Dexter in seiner Ausdrucksweise deutlich von seinem Partner Terry Miller. Dies gilt zumeist auch für die anderen Figuren. Man muss dieses Faktum durchaus betonen, denn viel zu häufig lassen Autoren beim Schreiben der Dialoge dieses Element außer acht. Oder sie übertreiben es und verfallen in Klischees. Die Hauptpersonen der Handlung bekommen in deren Verlauf mehr Tiefe und werden damit für den Hörer immer interessanter. Stück für Stück erfährt man mehr über deren Vergangenheit und fiebert dem Schluss entgegen, der im klaren Kontrast zur restlichen Handlung steht. Kam die Geschichte zwar spannend aber eher ruhig daher, artet das Finale von Die Fälle des Jeffrey Dexter: Die Schatten der Vergangenheit in einen action-geladenen Showdown à la  Hollywood aus, der es wirklich in sich hat: Jippijajey Schweinebacke! Unterm Strich eine interessante Kombination zweier Stile, die sehr zu gefallen weiß.

Bei der Besetzung der Hauptrollen konnte man wieder auf Ralf "Searge" Pappers, Markus Haacke und Marcel Kubik zurückgreifen. Alle drei machen ihre Sache sehr gut. Gerade Kubik hat mir imponiert, hat er doch ein paar schwierige Szenen, die er toll meistet. Auch der Rest des Casts passt meist sehr gut zu den Rollen, die es zu verkörpern gilt. Joachim Klotz als Erzähler leitet gekonnt von einer Szene zur nächsten. Er hat sich seit der Ursprungsversion des ersten Teils deutlich gesteigert. Besondere Sorgfalt wurde erneut auf die Soundeffekte gelegt. Viele von ihnen nimmt man gar nicht bewusst war, doch sie sind es, die es erst möglich machen, dass man als Hörer in die Handlung abtaucht. Schon nach kurzer Zeit hat man als Hörer ein deutliches Bild vom Gasthaus und der Landschaft vor Augen, in der es steht. Kopfkino par excellence. Der Showdown am Ende der Geschichte ist ebenfalls das absolute Highlight in Sachen Soundeffekte und auch hier passt alles. Bravo!

André Maurmann ist dieses Mal für die Musik zuständig und liefert einen überzeugenden Soundtrack ab, der sehr schön die Stimmung der Hauptpersonen zum Ausdruck bringt und die Dramatik der Handlung ideal unterstützt. Die Musik selbst bleibt dabei erfrischend abwechslungsreich. Die Verantwortung für Schnitt und Regie lag in den Händen von Michael Gerdes, der sich der Aufgabe, ein solch langes Hörspiel zu cutten, durchweg gewachsen zeigt. Dass auch diese Produktion dezentral eingesprochen wurde, merkt man an keiner Stelle. Von der technischen Seite her, bietet Die Fälle des Jeffrey Dexter: Die Schatten der Vergangenheit aus meiner Sicht auch nach dem zweiten Hörer keinen Anlass zu Klage. Sehr schön ist übrigens, dass dem Hörer als Bonusmaterial die alternative Version einer Szene samt Kommentar des Cutters präsentiert wird. So etwas gibt es selten, ist jedoch weitaus interessanter als die obligatorischen Outtakes, die man sonst geboten bekommt. Gerne mehr davon!

Die Fälle des Jeffrey Dexter: Die Schatten der Vergangenheit ist ein rundum gelungenes Hörspiel. Da verzeiht man als Fan auch die lange Pause zwischen den einzelnen Episoden. 


Dienstag, 30. März 2010

Es wird wieder gecastet!

Eigentlich müsste doch inzwischen jedem klar sein, dass es den Veranstaltern von Castingshows nicht darum geht, langfristig erfolgreiche Sängerinnen und Sänger zu finden, sondern mit den Gewinnern schnell Kasse zu machen, ehe man im nächsten Jahr die nächste Sternschnuppe präsentiert, um diese ebenfalls schnell aber effektiv zu verbrennen.

Dennoch finden sich offenbar immer noch genügend Kandidaten, die sich von einer mehr oder weniger fachkundigen Jury runtermachen lassen wollen. So viele, dass sich der Sender ProSieben sogar den Luxus erlauben kann, in der nächsten Staffel von Popstars nur nach weiblichen Talenten Ausschau zu halten und männliche Bewerber auszuschließen, denn dieses Mal steht das Casting unter dem Motto: Girls Forever. Nicht sonderlich originell und angesichts der kurzen Lebensdauer der gecasteten Duos oder Bands irgendwie schon reichlich sarkastisch .

Ich wette, das nächste Mal heißt es dann: Boys Only. Aber was konnte da noch Großartiges kommen, nachdem das Duo, das man in der letzten Staffel gecastet hatte, den umwerfenden Namen Some & Any bekam. Wobei der Name durchaus passend war: Irgendwelche Gesangssternchen singen irgendwelche Songs, die niemanden wirklich interessieren. Beliebig eben, wie der Name des Duos es treffend zusammenfasst. Kein Wunder, dass das Album von Some & Any nicht über Platz 47 und die Single nicht über Platz 16 in den Charts hinauskam. Ein bescheidener Erfolg, wenn man bedenkt, was die Kandidaten alles machen mussten, um am Ende des Finales als Sieger darzustehen.

Erlesen ist dieses Mal auch die Auswahl der Städte, in denen das Vorcasting abgehalten wird. Unter den insgesamt 16 Städten finden sich Musikhochburgen wie Euskirchen, Pforzheim, Siegburg, Paderborn und Elmshorn. Klar, Talente gibt es überall und ich will auch nichts gegen die genannten Städte gesagt haben, doch verlässt mich einfach nicht das Gefühl, dass man die Zahl der Vorcastings künstlich aufgebläht hat, damit der Auswahlprozess bedeutender erscheint. So nach dem Motto: Wir haben in ganz Deutschland sehr intensiv gesucht und diese Mädels haben sich durchgesetzt. Was für eine Leistung!

Worauf der Sender bei der Vorgabe, dass nur Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren teilnehmen dürfen, wirklich aus ist, dürfte schnell klar sein: Zickenkrieg! Die wahrscheinlich hübsch anzusehenden Kandidatinnen machen sich gegenseitig fertig und die Zuschauer lehnen sich zurück und beobachten das Treiben aus sicherer Entfernung vom gemütlichen Sofa aus. Wer braucht da noch Soap Operas?

Wirklich originell ist die Idee mit den rein weiblichen Kandidaten natürlich nicht. Immerhin war der erste und bislang einzige wirkliche Erfolg von Popstars die Band No Angels im Jahr 2001. Doch bereits 2003, als man versuchte diesen Erfolg mit den Preluders zu wiederholen, war nach dem Debutalbum und der ersten Single die Luft raus.

Ob es den nächsten Popstars ähnlich ergehen wird, werden wir in der zweiten Jahreshälfte wissen.

Donnerstag, 25. März 2010

Amazon schreibt Onlinehändlern gleichgeschaltete Preise vor

In seinem Bestreben, den Preiswettbewerb im Internet weiter zu schwächen, hat sich der Online-Händler Amazon ein neues Instrument ausgedacht und verlangt von seinen Marketplace-Anbietern ab dem 31. März 2010 die so genannte Preisparität.

Dahinter verbirgt sich die Forderung, dass alle Anbieter in ihren Amazon-externen Onlineshops für eine Ware den gleichen Preis (Warenpreis und Versandkosten!) verlangen müssen, wie sie es als Marketplace-Anbietern bei Amazon tun.

Zitat:
"Der Preis ist für Kunden eines der wichtigsten Entscheidungskriterien beim Kauf. Kunden vertrauen auch darauf, dass die Preise und sonstigen Bedingungen bei Amazon.de im Vergleich zu dem, was sie auf anderen Einkaufsplattformen finden, gleich gut (oder besser) sind. Um Kunden auf Amazon.de die bestmöglichen Kaufoptionen zu bieten, wird Amazon ab dem 31. März von allen Verkäufern, die unter den Amazon.de Teilnahmebedingungen verkaufen, Preisparität verlangen.

Für diese Verkäufer bedeutet Preisparität, dass der Artikelpreis und der Gesamtpreis (insgesamt zu zahlender Preis, ohne Steuern) für alle Artikel, die ein Verkäufer auf Amazon.de anbietet, im Vergleich zu anderen nicht ladengeschäftgebundenen Vertriebskanälen dieses Verkäufers, grundsätzlich gleich günstig oder günstiger sein müssen." (In voller Länge hier nachzulesen)

Bislang konnten Anbieter in ihren eigenen Shops häufig günstiger anbieten, weil dort die Provision an Amazon entfiel und außerdem die Versankosten selbst bestimmt werden konnten. Auf dem Verordnungsweg will Amazon nun seinen Marketplace zur preisgünstigsten Plattform machen.

Es wird interessant sein zu beobachten, ob vielen Anbietern ihre Präsenz bei Amazon so viel wert ist, dass sie sich dafür bereit erklären, ihren eigenen Shop unattraktiv zu machen. Wenn ja, dann hätte Amazon sein Ziel erreicht, denn dann könnten die Anbieter ihre eigenen Shops gleich dichtmachen und nur noch über Amazon verkaufen, mit dem Resultat, dass es weniger Wettbewerb gäbe und die Provisionen für Amazon anstiegen.

Ob der Plan aufgeht? Was meint ihr?

Link: Informationen zur Preisgestaltung auf der Website von Amazon.de

Mittwoch, 24. März 2010

The Story of Water

Trinkt ihr Wasser aus der Leitung oder kauft ihr euer Wasser in Flaschen? Hier ein Video, das durchaus zum Nachdenken anregt:

Warnung

Wem nützt ein Werbeverbot für ARD und ZDF?

Seit einigen Tagen geistert der Vorschlag des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, der außerdem Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder ist, durch die Medienlandschaft, das öffentlich-rechtliche Fernsehen in wenigen Jahren werbefrei zu machen. Begründet wird dieser Vorstoß damit, dass die Sender ARD und ZDF auf diese Weise ihr Profil schärfen könnten und sich außerdem die Einnahmesituation der Privatsender verbessere.

Im Detail sieht der Plan vor, die Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bis 2015 um die Hälfte zu kürzen und ab 2017 ganz abzuschaffen. Konsequent ist man dabei allerdings nicht, denn im Rahmen von großen Sportveranstaltungen soll Sponsoring weiterhin erlaubt bleiben. Ach so.

ARD und ZDF haben mit ihrer Fernsehwerbung im letzten Jahr zusammen 376 Millionen Euro erwirtschaftet. Vergleicht man dies mit den Gebühreneinnahmen durch die GEZ in Höhe von deutlich über sieben Milliarden Euro pro Jahr, erscheint dieser Betrag vergleichsweise zweitrangig.

Dennoch muss die Frage erlaubt sein, warum seitens der Rundfunkkommission überhaupt ein Interesse daran bestehen sollte, den Sendern diese Finanzierungsmöglichkeit zu nehmen? Hat nicht gerade Kurt Beck in der Vergangenheit die Forderung von ARD und ZDF nach höheren Fernsehgebühren zurückgewiesen? Genau das hat er getan und vielmehr die Sender für ihre Ausgabenpolitik kritisiert und zum verstärkten Sparen aufgefordert. Ausgerechnet von ihm kommt nun der Vorschlag, die Ausfälle durch das Werbeverbot durch eine Anhebung der GEZ-Gebühren auszugleichen. Wirklich nachvollziehen kann man eine solche Haltung nicht.

Bekommt der Zuschauer wirklich ein besseres Programm, wenn in der ARD und im ZDF keine Werbung mehr zu sehen ist. Mit Sicherheit nicht, denn bereits jetzt sind die Sender nicht unbedingt auf die Werbeeinnahmen angewiesen. Vielmehr ist es der Ideenlosigkeit und Risikoaversion der Programmplaner geschuldet, dass viele Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als Kopien von Formaten der Privatsender daherkommen. Als man die Sendezeit der Politmagazine in der ARD zusammenkürzte, geschah dies nicht, um mehr Werbung innerhalb der Sendung unterbringen zu können. Denn bekanntlich gibt es im Abendprogramm keine Werbeinseln. Angeblich reagierte man damit auf das geringere Zuschauerinteresse an solchen Formaten. Warum muss ein Sender, der sich hauptsächlich aus Gebühren finanziert, überhaupt auf die Einschaltquoten schauen? Er bekommt doch ohnehin sein Geld.

Unterm Stich würden nur die Privatsender von einer solchen Änderung profitieren und deren Lobbyisten ist es offensichtlich gelungen, ausgerechnet den Sozialdemokraten Kurt Beck vor ihren Karren zu spannen. Dass ihnen ein Werbeverbot in der ARD und dem ZDF nur zu recht wäre, ist durchaus nachvollziehbar. Immerhin wandern immer mehr Werbebudgets ins Internet ab und auch die Wirtschaftskrise hat die Werbeeinnahmen der Sender deutlich sinken lassen. Da würde es gut passen, wenn zwei Konkurrenten per Gesetz gezungen wären, sich aus dem Markt zu verabschieden.

Zu optimistisch sollte man allerdings nicht sein, denn ARD und ZDF sprechen durchaus eine andere Zielgruppe als die Privatsender an. So hat man zum Beispiel in Frankreich die Erfahrung gemacht, dass die Werbetreibenden ihre Budgets nicht ins Privatfernsehen verlagert haben, nachdem im Staatsfernsehen keine Werbung mehr gezeigt werden durfte. Vielmehr wurden die Budgets einfach eingespart.

Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob es nicht bei den öffentlich-rechtlichen Sendern noch weiteres Sparpotential gibt, welches bislang noch nicht ausgeschöpft wurde, doch wenn man schon Einnahmen aus der Fernsehwerbung generiert, dann sollte man den Sendern diese Einnahmemöglichkeit nicht auf Kosten höherer GEZ-Gebühren nehmen.

Montag, 22. März 2010

Michelle Obama besucht die Simpsons

In der Vergangenheit haben bereits verschiedene Berühmtheiten den Simpsons einen Besuch abgestattet. Gestern war nun war auch die First Lady Amerikas an der Reihe.

Mal sehen, was sie den Menschen von Springfield so zu sagen hat:


Also Leute, nun wisst ihr, was ihr zu tun habt!

Doppelmoral ist was Feines

Darf ein Mensch, der dabei gefilmt wurde, wie er auf einer Toilette eine größere Menge Kokain zum Konsum vorbereitet, möglicherweise Deutschlands neuer Superstar werden? Auf keinen Fall, sagt RTL. Denn die Kandidaten von DSDS sollen immerhin Vorbildfunktion haben. Aha.

Darf ein Mensch, der wegen Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde und vorher schon eine Bewährungsstrafe verbüßen musste, weil er 85.000 Euro Gewerbesteuer unterschlagen hat, Deutschlands neuer Superstar werden? Immer doch, antwortet RTL.

Auch wenn er früher schon Kokain, Ecstasy und LSD genommen und regelmäßig bis zu sieben Liter Bier getrunken hat, was ihn als Alkoholsüchtigen qualifiziert? Klar, denkt sich RTL. Das macht den Kandidaten doch nur interessanter.

Auf Helmut Orosz trifft all dies zu. Obwohl er sich am letzten Samstag einige Textaussetzer geleistet hat und Dieter Bohlen keine Gelegenheit ausließ, ihn deswegen runter zu machen, um so dem Publikum nahezulegen, diesen Menschen endlich aus der Show zu werfen, taten ihm die Zuschauer diesen Gefallen nicht. Sie schmissen stattdessen Manuel Hoffmann raus, den Bohlen so gerne behalten hätte.

Da trifft es sich doch gut, dass eine Stunde nach der Show ein Video auftaucht, dass Helmut Orosz in kompromittierender Weise zeigt, so dass dem Sender keine andere Chance blieb, als den Kandidaten zu disqualifizieren. Für ihn rückt jetzt der von den Zuschauern geschasste Manuel Hoffmann nach. Geht doch.

Mir ist Helmut Orosz egal und auch seine Drogenprobleme lassen mich kalt. Immerhin gibt es viele Menschen in unserer Gesellschaft, die süchtig sind und deshalb Hilfe benötigen. Ich wünsche allen diesen Menschen, Helmut Orosz eingeschlossen, dass sie die Hilfe finden, die sie verdienen.

Was mich aufregt, ist die Doppelmoral von RTL. Dem Sender kann das Vorleben der Kandidaten nicht schlimm genug sein, damit man es mitleidsheischend ausschlachten kann. Doch holen jemanden die Dämonen seiner Vergangenheit wieder ein, dann wird er mit Verweis auf seine mangelnde Vorbildfunktion rausgeschmissen, allerdings nicht ohne zu betonen, man wünsche ihm alles Gute für die Zukunft. Sicher.

Zu welchem Moment war Helmut Orosz ein Vorbild? Als er Steuern hinterzog oder seine Freundin schlug? Wohl kaum. Als er für Quote sorgte, war er RTL willkommen, doch einen Junkie wollen die Saubermänner von RTL nicht in ihrer Show.

Doppelmoral ist was Feines.


Foto: Copyright RTL

Aller Anfang ist schwer

Zwar bin ich nicht ganz unerfahren was das Bloggen angeht, doch wird es noch ein klein wenig dauern, bis alles so läuft, wie ich es mir vorstelle. Aber das wird schon.

In diesem Blog geht es mir nicht um ein bestimmtes Thema. Statt dessen möchte ich in Zukunft hier an dieser Stelle einfach niederschreiben, was mir gerade in den Sinn kommt.

Ich bin noch nicht ganz sicher, wohin mich diese Reise führen wird, doch bin ich sicher, dass sie spannend und unterhaltend sein wird.