Bislang konnte Oscar Wilde im Auftrag von Mycroft Holmes die Pläne des Geheimbunds Der Zirkel der Sieben immer noch in letzter Minute vereiteln. Doch die Verschwörer zeigen sich davon jedoch keineswegs entmutigt. Ganz im Gegenteil: In Oscar Wilde & Mycroft Holmes – Sonderermittler der Krone Folge 4: Tod der Königin holen sie jetzt zu einem richtig großen Schlag aus, der Großbritannien in seinen Grundfesten erschüttern soll, denn gemeinsam mit dem durchtriebenen Wissenschaftler Doktor Grell, wollen sie das englische Königshaus vernichten und das Land ins Chaos stürzen. Seit dem 15. Juli 2016 ist das Hörspiel mit einer Laufzeit von ca. 76 Minuten im Handel.

Den ersten drei Folgen dieser Serie aus dem Hause Maritim gelang eins ums andere Mal, mich richtig gut zu unterhalten. Die Geschichten waren spannend, temporeich inszeniert, besaßen Witz, und punkteten sowohl mit einem gut aufgelegten Cast als auch mit einer atmosphärischen Soundkulisse. Was die Besetzung und den Klangraum angeht, so gibt auch Folge 4 keinerlei Anlass zur Klage – der Plot von Jonas Maas hingegen offenbart rückblickend einige Schwächen. So lässt Maas den irrtümlich für tot erklärten Afrikaforscher William Arkhurst (Dietmar Wunder) einem Vertreter der britischen Krone in Kairo ausführlich von seiner strapaziösen Reise durch den „schwarzen Kontinent“ berichten. Die Entdeckung, die Arkhurst gemacht hat, rechtfertigt es durchaus, ihn dafür in den Ritterstand zu erheben, doch die begleitenden Umstände, auf die sich der Forscher bei seiner Schilderung hauptsächlich konzentriert, sind für den Rest des Hörspiels komplett irrelevant. In der folgenden Szene gibt Mycroft Holmes Oscar Wilde dann noch einmal eine Kurzfassung dessen, was der zukünftige Sir William gerade erst ausführlich erläutert hat, um den Sonderermittler ins Bild zu setzen. Auf diese Weise verstreicht viel Zeit, ohne dass für die Handlung und den Hörer wirklich Zählbares dabei herumkommt. Das ist sehr schade, denn der Eröffnungsdialog zwischen Doktor Grell und einem Vertreter des Zirkels ist klasse und etabliert Grell sogleich als einen durch seine Gewissenlosigkeit sehr gefährlichen Wissenschaftler. Ihn durch K. Dieter Klebsch verkörpern zu lassen, war die genau richtige Entscheidung. die von Grell geschaffenen Attentäter sind – das müssen Wilde und Holmes schnell feststellen – nur mit extremen Maßnahmen zu stoppen, was sie zu einer echten Herausforderung macht. Da passt es ins Bild, dass der Sonderermittler wider Willen nicht immer die Oberhand behalten kann. Betrachtet man sich im Detail, wie der Zirkel die Queen umbringen möchte, dann ließe zwar sich einwenden, dass es dafür solcher Super-Killer eigentlich gar nicht bedurft hätte, doch es spricht auch nichts dagegen, es zu tun. Auf solch einen prominenten Spatz kann man auch mit übergroßen Kanonen schießen. Neben dem schon aus dem Titel offenkundigen Missionsziel verfolgen der Zirkel und Grell in diesem Hörspiel noch ein weiteres – und wie der Epilog andeutet, ist der Mad Scientist mit seinem Latein noch lange nicht am Ende, sondern hat sich gerade erst warmgelaufen. Es steht daher zu erwarten, dass wir in kommenden Folgen erneut von ihm hören werden. Eine Wiederkehr erlebt bereits in Folge 4 Wildes Verkleidungstalent. Ihn erneut in Frauenkleidern auftreten zu lassen, ist zwar ein netter Verweis auf Folge 1 und gibt Anlass zu einigen verbalen Scharmützeln zwischen dem Schriftsteller und Mycroft Holmes, wirkt aber irgendwie aufgesetzt, denn eine weniger aufwendige Maskerade hätte es auch getan. Weitgehend überflüssig sind auch die diversen Orts- und Zeitangaben, die man im Larry-Brent-Stil den Szenen vorangestellt hat. Im Zusammenhang mit dem Prolog sowie dem Epilog ergeben sie durchaus noch Sinn, ansonsten wirken sie repetitiv und enervieren mit der Zeit, da man als Hörer absolut keine Probleme hätte, der Handlung auch ohne diese Einleitungen zu folgen. Drei Folgen lang ist die Serie erfolgreich ohne dieses Element ausgekommen; weshalb man plötzlich glaubt, nun darauf zurückgreifen zu müssen, erschließt sich nicht.

Warum auf jene Sprecherinnen und Sprecher gesetzt wurde, die in dieser Produktion zu hören sind, ist hingegen sonnenklar: Es wurde für alle Sprechrollen (selbst für die kleinen) zusammengeholt, was in der Hörspiellandschaft Rang und Namen hat. Sascha Rotermund (Oscar Wilde) und Reent Reins (Mycroft Holmes) agieren wie gehabt wunderbar miteinander und auch im Zusammenspiel mit Leonhard Mahlich als Dr. Peyton. Neben Dietmar Wunder und K. Dieter Klebsch kann man Luise Lunow als eine sehr würdevolle Königin Victoria erleben, Tobias Lelle als Andrew Webbercott und erstmals bekommt der Zirkel zwar kein Gesicht und keinen Namen, jedoch eine Stimme – nämlich die von Rüdiger Schulzki. Michael Pan, Martin Sabel, Marius Clarén, Jürgen Thormann u.a. vervollständigen eine Besetzungsliste, die nicht nur überaus namhaft ist, sondern für absolute Qualität in puncto Sprecherleistung bürgt. Die Klangkulisse inklusive Soundtrack transportiert die Hörerschaft ohne Umwege ins viktorianische Zeitalter und bereitet eine ansprechende, von viel Atmosphäre geprägte Bühne für das Geschehen, dem man, nachdem es eine gewisse anfängliche Trägheit überwunden hat, gerne aufmerksam lauscht.

Acht Folgen hat Maritim von Wilde & Holmes bis jetzt angekündigt, im Erfolgsfall wird es natürlich weitergehen. Bislang konnten die Sonderermittler stets auf die Bedrohung durch den Zirkel der Sieben lediglich reagieren, doch es wird Zeit dass dies ändert und die Protagonisten aktiv gegen die Verschwörer vorgehen. Das Schema Der Zirkel plant – Wilde verhindert hat die Serie zwar gut durch ihre ersten Folgen getragen, aber nun kennt man es zur Genüge und wünscht sich, die Protagonisten würden endlich dazu übergehen, den Spieß umzudrehen und den Zirkel aufs Korn nehmen, anstatt darauf zu warten, was er sich an Niederträchtigem nun wieder ausgedacht hat. Dies würde der Serie nicht nur eine neue Dynamik verleihen, sondern die Geschichten auch davor bewahren, in ihrem Ablauf für den regelmäßigen Hörer allzu berechenbar zu werden. Die Macher sind sich dessen sicherlich auch bewusst. Ob und wie sich Wilde & Holmes konzeptionell weiterentwickelt, werden die kommenden Folgen zeigen. Man darf gespannt sein. 

Oscar Wilde & Mycroft Holmes – Sonderermittler der Krone Folge 4: Tod der Königin erreicht von der Story her nicht ganz das hohe Niveau seiner Vorgänger. Aber weil sie sich, was die sprechschauspielerischen Leistungen, Schnitt, Abmischung, Score und Sounds angeht, absolut keine Blöße gibt, bleibt auch diese Folge ein überdurchschnittlich gutes Hörspiel mit ordentlich Unterhaltungswert, das neugierig macht auf das, was in der zweiten Hälfte der Staffel noch alles kommen wird. Wem die ersten drei Folgen gefallen haben, sollte auch die neue hören.


Oscar Wilde & Mycroft Holmes – Sonderermittler der Krone Folge 4: Tod der Königin ist ein Hörspiel des Labels Maritim. Seit dem 15. Juli 2016 ist es im Handel.


Link: Website des Labels Maritim


1974 startete der Kelter-Verlag die Heftromanserie Monstrula über den britischen Reporter Jack Callum, der durch einen Fluch die Fähigkeit erhält, in die Welt der Geister und des Grauens schauen zu können. Ausgestattet mit einem magischen Ring nimmt er den Kampf gegen Dämonen und ähnliches Kroppzeug auf. Zwei Jahre und 46 Ausgaben hielt Callum durch - doch kam das Aus. Ob wirtschaftlicher Misserfolg tatsächlich der Grund für die Absetzung war oder der Verlag mit diesem Schritt einer drohenden Indizierung aufgrund des hohen Gewaltfaktors zuvorkommen wollte, wie immer wieder behauptet wird, ist unklar. 40 Jahre nach dem Ende von Monstrula hat sich das Label Romantruhe Audio der Serie jetzt angenommen und präsentiert im Rahmen seiner Hörspielreihe Geister-Schocker Jack Callums ersten Fall. Geister-Schocker 62: Der Fluch des Geistes ist seit dem 27. Mai 2016 im Handel.

Drohend schwebte der Geist, in einen grünlichen Nebel eingehüllt, auf Jack Callum zu. »Sei verflucht, Irdischer!«, gellte es in den Ohren des Reporters. »Schauen sollst du die Welt der Geister, ertrinken wirst du im Grauen! Ohnmächtig wirst du unserem Wirken zusehen, ohne die Macht, etwas gegen uns zu unternehmen! Du wirst dir den Tod wünschen, aber die Erlösung von der Sehergabe, die ich dir verleihe, kann nur ich dir bringen! So lautet der Fluch des Geistes!« Jack wirbelte herum, doch der grünliche Nebel und das teuflische Gesicht waren verschwunden. So wurde Jack Callum zum Todfeind der Geister. Dies ist sein erstes Abenteuer. (Klappentext)

Ein Skript von Markus Topf (Mord in Serie), die Beteiligung des Gespanns Paul Burghardt/Tom Steinbrecher (Twilight Mysteries) an der Produktion und ein namhafter Cast (Christian Stark, Martin Sabel, Dagmar Bittner, Marc Schülert, Jürgen Thormann, Peter Groeger u.a.) sind sicherlich hochwertige Ingredienzien, die für dieses Hörspiel sprechen. Angesichts der Dürftigkeit des Ausgangsmaterials kommt der von Romantruhe betriebene Aufwand allerdings vergeblicher Liebesmüh gleich. Denn wie zuvor schon andere Hörspiele auf Grundlage verstaubter Trivialliteratur, so führt auch Geister-Schocker 62 dem Hörer deutlich vor Augen, wie überaus schlecht diese Stoffe in den Jahrzehnten seit ihrer Erstveröffentlichung gealtert sind. Sie sind literarische Leichen, die nun zum Zwecke der Vertonung reanimiert und akustisch aufgeschminkt werden, um sie für das Publikum des Jahres 2016 interessant zu machen. Doch es ist weit mehr nötig als Kosmetik, damit eine betagte Story in der Gegenwart ankommt: Dem Plot muss seine Vorhersehbarkeit genommen, die Figuren müssen zu Charakteren erweitert werden. Hölzerne Dialoge gehören eliminiert. Und nicht zuletzt muss es die Geschichte mit ihrer eigenen Handlungslogik endlich genau nehmen, anstatt sie der jeweiligen Szene einfach mal anzupassen, wenn ihr gerade danach ist. Von alledem wurde hier leider nichts umgesetzt. Das Skript setzt stattdessen auf ein hohes Erzähltempo, damit man als Hörer nicht zum Nachdenken kommt; die Inszenierung verlässt sich derweil auf die Zugkraft der Besetzung und die Soundkulisse. Und in der Tat ist Geister-Schocker 62 mit ca. 51 Minuten ein sehr kompaktes Hörspiel ohne Längen geworden, dessen Sprecherinnen und Sprecher ihre Rollen souverän meistern. Die Klangkulisse sowie die Musik sorgen darüber hinaus für eine gefällige Atmosphäre. Großtaten werden jedoch weder vor dem Mikrophon noch am Mischpult vollbracht, weil die Story dies keinem der Beteiligten abverlangt.

Eine Inszenierung von heute trifft bei Geister-Schocker 62: Der Fluch des Geistes auf eine Story von gestern. Das Ergebnis ist zwiespältig und kann deshalb nicht wirklich überzeugen. Als anspruchsloser Gruselhappen für Zwischendurch geht die Produktion noch einigermaßen durch. Wem das reicht, kann zuschlagen, alle anderen sollten sich vielleicht besser nach einem anderen Gruselhörspiel umschauen. Auswahl gibt es ja genug.


Geister-Schocker 62: Der Fluch des Geistes ist seit dem 27. Mai 2016 im Handel.


Wenngleich die allermeisten Spinnen völlig harmlos sind, jagt allein ihr Anblick vielen Menschen immer wieder eine Heidenangst ein. Da verwundert es nicht, dass die Achtbeiner seit Jahrzehnten Gegenstand von Grusel- und Horrorgeschichten sind, in denen sie als todbringende Monster dargestellt werden. Man denke nur an Filme wie Tarantula, Mörderspinnen oder Arachnophobia. Die aktuelle Folge der Hörspielreihe Gespenster-Krimi schlägt in die gleiche Kerbe, denn auch sie weiß über Arachnoiden zu berichten, von denen man sich besser so weit wie möglich fernhalten sollte. Allerdings  hat das den Protagonisten leider niemand gesagt. Gespenster-Krimi 9: Tempel der Dämonen besitzt eine Laufzeit von ca. 70 Minuten und ist seit dem 1. Juli 2016 im Handel.

Eigentlich sind die Amerikaner Harry Bannister, Helm Trigger und Sue Clayton für eine langweilige Reportage nach Indien gereist. Vor Ort werden sie jedoch schnell mit übernatürlichen Ereignissen konfrontiert, die sie mehr als einmal an ihrem Verstand zweifeln lassen. All das steht scheinbar mit dem geheimnisvollen Sektenführer Bhaktivad Carradesch in Verbindung, der die Mächte der Finsternis heraufbeschwört. Um seine finsteren Pläne zu vereiteln, müssen sich Harry und seine Freunde schrecklichen Ungeheuern stellen... (Klappentext)

Markus Topf, unter anderem Autor von Contendos Thriller-Hörspielreihe Mord in Serie, kam die Aufgabe zu, Earl Warrens gleichnamigen Heftroman von 1974 in ein brauchbares Hörspielskript umzuwandeln. Ein wahrlich undankbarer Job, denn das Ausgangsmaterial bietet lediglich den üblichen Dämonenkult-Menschenopfer-Standardplot unter Verwendung umgedeuteter Elemente des Sanskrit, der mit einer Aneinanderreihung der seinerzeit gängigsten Indien-Klischees garniert wurde. Topfs Versuche, der Story einen etwas zeitgemäßeren Anstrich zu geben, sind durchaus ehrbar, doch auch ein Mann mit seiner Erfahrung kann aus Wasser und Brot kein Fünf-Gänge-Menü zaubern. Trash bleibt nun  einmal Trash – ein Bösewicht, der seinem hilflosen, natürlich weiblichen Opfer (und damit auch der Hörerschaft) in aller Ruhe die ganzen Hintergründe und seinen diabolischen Plan erläutert, inklusive. Wer die Dummheit begeht, diese Story ernst zu nehmen oder gar ihre Handlungslogik zu hinterfragen, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Dass sie sich nicht großartig Zeit nimmt, wenigstens den zentralen Figuren etwas charakterliche Tiefe zu verleihen, darf man ihr übrigens nicht zum Vorwurf machen. Denn Geschichten dieser Art kennen traditionell nur eine Devise: Plot, Plot und nochmals Plot! Getreu diesem Motto hält sich das Hörspiel auch mit keinerlei Vorreden auf, sondern legt stattdessen von Beginn an ein ordentliches Tempo an den Tag. Dieser Schwung wird im weiteren Verlauf konsequent beibehalten, während das Geschehen gradlinig auf den großen Showdown zusteuert. An dieser Stelle zahlt sich die Routine von Markus Topf aus, denn so platt, klischeebehaftet und wenig originell die Handlung auch sein mag, so wird sie dennoch auf kurzweilige Art und Weise serviert. 

Inszeniert haben Contendo und Audionarchie dieses Hörspiel auf wahrlich hohem Niveau. Die Sprecherriege (u.a. Jaron Löwenberg, Michael-Che Koch, Nina Goldberg Bodo Wolf und Hartmut Neugebauer als Erzähler) ist hochklassig, das Sounddesign sowie die Musik von Marcel Schweder sorgen für viel Atmosphäre. Und auch in Sachen Regie und Schnitt kann die Produktion voll punkten. Alle Beteiligten verstehen definitiv ihr Handwerk.

Man kann Gespenster-Krimi 9: Tempel der Dämonen seinen Unterhaltungswert sicherlich nicht absprechen. Doch dieser entfaltet sich am ehesten, wenn man die Haltung einnimmt, eine Geschichte aus seligen Groschengruselzeiten im akustischen Gewand des Jahres 2016 erleben zu wollen. Unter solch einer Prämisse macht dieses Hörspiel richtig Spaß. Wirklich gegruselt habe ich mich dieses Mal zwar nicht, doch das kann ich ja vielleicht bei der nächsten Folge nachholen.



Gespenster-Krimi 9: Tempel der Dämonen ist ein Hörspiel von Contendo Media und Audionarchie. Seit dem 1. Juli 2016 ist es im Handel.




Vorab: In der Regel versuche ich, Spoiler komplett zu vermeiden. Dieses Mal war mir dies aber nicht ganz möglich. Alle, die unter Spoilerphobie leiden, sind hiermit vorgewarnt!


Nachdem ich unlängst RRRs aktuelles Hörspiel Vergessene Märchen 1 rezensiert hatte, entschied ich mich dafür, mich auch um Ein Job wie jeder andere aus dem letzten Jahr zu kümmern. Rückblickend hadere ich nicht mit dieser Entscheidung, da es erneut eine spannende Sache war, die Comfort Zone des Gewohnten einmal zu verlassen, um sich einer Produktion zu stellen, die ganz bewusst den nur allzu bekannten Pfaden des Mainstream-Hörspiels eine Absage erteilt. Doch ein zweites Mal werde ich mir Ein Job wie jeder andere nicht anhören.

Der Auftrag: simpel. Das Ziel: männlich. Der Grund: Vergeltung. Doch alles läuft schief. Eine Auftragskillerin soll für ihren neuen Klienten einen Menschen nicht nur töten, sondern ihn vorher auch zu einem Geständnis bewegen. Trotz perfekter Vorbereitung läuft alles anders als ursprünglich geplant – definitiv kein Job wie jeder andere. Wie weit kann ein Mensch gehen? Großartige Schauspieler, reale Soundeffekte und erstklassige Musik sind das Sahnehäubchen auf diesem spannenden und harten Thriller nach einer Kurzgeschichte von Udo Seelhofer. Definitiv nichts für schwache Nerven! (Ankündigungstext)

Dass sich Ein Job wie jeder andere an die Rape-and-Revenge-Filme des Exploitation-Kinos anlehnt, offenbart bereits das Cover: Von Angst entstellte Gesichter, gefesselte Menschen, ein von Wunden übersäter männlicher Körper und ohnehin jede Menge nackte Haut – wer das Cover gesehen hat, kann hinterher kaum behaupten, zufällig in eines der brutalsten Hörspiele der letzten Zeit (vielleicht sogar aller Zeiten) hineingestolpert zu sein. Bestand in RaR-Klassikern wie I Spit on Your Grave oder The Last House on the Left zu keiner Zeit ein Zweifel daran, dass jene, an denen Rache geübt wurde, dies auch verdient hatten, so ist das in Ein Job wie jeder andere anders: Für Katjas Auftraggeber (Bert Stevens) steht zwar definitiv fest, dass seine Tochter Erika (Dagmar Bittner) von Thomas Bergmann (David Wehle) vergewaltigt und anschließend ermordet wurde, und es sprechen einige Dinge durchaus dafür. Allerdings kann auch Bergmanns Version der Ereignisse stimmen. Und wenn er schließlich die Tat zugibt, dann ist dieses Geständnis absolut wertlos, denn es lässt sich problemlos argumentieren, Bergmann bekenne sich lediglich schuldig, um seine Geliebte Monika (Anette Gunkel) zu retten. Die Wahrheit bleibt bis zum Schluss im Dunkeln, weshalb es an dem Hörer ist, sich seine eigene Meinung bilden und zu entscheiden, welcher Seite er schlussendlich Glauben schenken möchte. Eine durchaus interessante Konstellation, die sich Autor Udo Seelhofer da ausgedacht hat. Allerdings besitzt sie eine deutliche Kehrseite: Eine Identifikation ist mit keiner der zentralen Figuren möglich. Erikas Vater hat ein Recht auf seine Trauer und auch auf seine Wut, dass der Täter nicht zur Rechenschaft gezogen wurde. Allerdings lässt sich nicht ausschließen, dass der die Ermordung eines Unschuldigen in Auftrag gibt. Bergmann kann das Verbrechen begangen haben oder eben auch nicht. Katja (Katrin Daliot) mordet des Geldes wegen, ist dadurch ohnehin schon moralisch diskreditiert. Mit Bergmann quält und killt sie möglicherweise den Falschen. Und selbst dann, wenn man als Hörer von Bergmanns Schuld durch dessen Geständnis überzeugt ist, erlischt Katjas Status als (bezahlter) Arm der Gerechtigkeit sogleich wieder, als sie Monika auslöscht, die mit der ganzen Sache absolut nichts zu tun hatte. Udo Seelhofer und Regisseur/Ko-Autor Lars Dreyer-Winkelmann wollen dem Publikum Katja als eine Protagonistin mit ambivalenter Persönlichkeit präsentieren, die im Verlauf der Geschichte ein Wandlung durchmacht. Ein löbliches Unterfangen, das jedoch nur teilweise von Erfolg gekrönt ist. Wenn die abgebrühte Profikillerin zu einem Racheengel mutiert, der eine geradezu sadistische Freude am Quälen eines Mannes empfindet, den er für einen Vergewaltiger und Mörder hält, ist das durchaus noch nachvollziehbar. Katjas Zurückschwenken in die Verhaltensmuster einer gedungenen Mörderin (akribische Säuberung des Tatorts, Abkassieren beim Auftraggeber) ist es schon weniger. Und wenn sie in der letzten Szene von Zweifeln über ihre Tätigkeit von Gefühlen überwältigt in Tränen ausbricht, dann ist das endgültig keine schlüssige Entwicklung dieser Figur mehr. Ohnehin fällt es sehr schwer, einem Hörspiel, das über weite Strecken das Zufügen extremer körperlicher Schmerzen zelebriert, ein aufrichtiges Interesse an moralischen oder ethischen Themen abzunehmen. Wenn sie in den letzten Minuten doch noch aufgeworfen werden, dann hat das nicht mehr als Feigenblatt-Charakter. Zu sehr hat sich das Hörspiel zuvor an der expliziten Darstellung von Katjas Foltertechniken geweidet, zu sehr wurde die Bereitschaft des Publikums geprüft, dieser sich immer weiter steigernden Gewaltorgie bis zum Ende zu lauschen, als dass Ein Job wie jeder andere für sich in Anspruch nehmen dürfte, eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit einer ethisch-moralischen Fragestellung zu sein.

Bei der Besetzung der Hauptrollen hatte RRR sicherlich eine glückliche Hand, denn Katrin Daliot und David Wehle überzeugen durch ihr intensives Spiel, während Bert Stevens eine wirklich eindrucksvolle Verkörperung des seelisch gebrochenen Vaters gelingt, von dem Katja ihren Auftrag erhält. Annette Gunkel, Dagmar Bittner, Timo Wussow, Jan Koppens komplettieren den Cast, der einen durchweg positiven Eindruck hinterlässt. Das dezente aber effektvolle Sounddesign sowie die Musik sorgen für die nötige Atmosphäre, der Schnitt und die Abmischung geben keinen Grund zur Beanstandung.

Wenn ein junges Label wie RRR ein absolutes Off-Mainstream-Hörspiel wie Ein Job wie jeder andere realisiert, dann gebührt ihm dafür größtmöglicher Respekt. Denn an einen solchen Plot würden sich die etablierten Platzhirsche in 100 Jahren noch nicht herantrauen. Dieses Hörspiel hat mich herausgefordert wie schon lange kein anderes mehr. Es hat mich dreist angegrinst und gefragt: Kannst du noch oder steigst Du aus? Wohl wissend, dass ich ihm den Triumph nicht gönnen und bis zum Ende durchhalten würde. Was in der Geschichte passiert, ist widerlich, ekelhaft und teilweise regelrecht pervers. Es enttarnt den Voyeur im Hörer, setzt ihn einer gnadenlosen akustischen Tour de Force aus und schert sich dabei einen Dreck um Tabus. Wo die Masse auf Sicht fährt, lotet dieses Hörspiel rigoros Grenzen aus. Auf seine ganz eigene, rücksichtslose Art ist diese Produktion grandios; sie gehört zu haben, war eine interessante Erfahrung. Ein Job wie jeder andere hat mir wieder einmal vor Augen geführt, dass es für mich in Sachen Gewaltdarstellung eine Grenze gibt, jenseits derer ich nicht mehr sagen kann, ich hätte eine Geschichte gerne gesehen, gelesen oder gehört. Diese Grenze wurde hier weit überschritten. Rezensionen enden in der Regel mit einer Empfehlung oder Warnung. Weder das eine noch das andere wird es dieses Mal von mir nicht geben, denn dieses Hörspiel und ich passen einfach nicht zusammen. Bin ich zu weich? Möglich. Ist es zu hart? Vielleicht. Dieses Hörspiel hat zweifellos seine Existenzberechtigung - doch in jene Bereiche, in die es mutig vorstößt, möchte ich ihm kein zweites Mal folgen.


Ein Job wie jeder andere ist ein Hörspiel von RRR Audiovisuelle Medien. Es erschien mit einer Laufzeit von ca. 55 Minuten im Juni 2015.




Zweimal ist Oscar Wilde für Mycroft Holmes als Sonderermittler bereits aktiv geworden, und nun ist es erneut soweit. Musste der Schriftsteller bislang die britische Insel dafür nicht verlassen, verschlägt es ihn nun in Wilde & Holmes - Sonderermittler der Krone Folge 3: Das Geheimnis des Alchemisten nach Südeuropa.

Im geheimen Archiv des Vatikans wird ein Mönch auf brutale Art und Weise ermordet. Er ließ sein Leben für das Tagebuch eines unbekannten Alchemisten, der von der Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Doch sein Vermächtnis verspricht drohendes Unheil, denn plötzlich ereignen sich einige bizarre Attentate in der Ewigen Stadt. Einst Zeichen des Reichtums verwandelt sich Gold nun in eine unberechenbare Waffe, die immer mehr Menschenleben fordert. Auf Bitten eines alten Schulfreundes von Mycroft Holmes reist Oscar Wilde als Priester getarnt noch Rom, um den tödlichen Treiben, Einhalt zu gebieten. (Klappentext)

Das Böse lauert immer und überall. So auch in der "Ewigen Stadt", weshalb Oscar Wilde von Mycroft Holmes nach Rom geschickt wird, um dort einmal mehr die Pläne jenes Geheimbunds zu vereiteln, der sich die Zerstörung des Empires zum Ziel gesetzt hat: Der Zirkel der Sieben. Und Wilde erledigt seine Mission auf die inzwischen für ihn typische Weise: Zunächst sträubt er sich etwas, doch dann geht er mit viel Elan und vollem Körpereinsatz zu Werke. Dabei natürlich nie um einen süffisanten Spruch verlegen. Erstmals lässt Holmes Wilde ohne Aufpasser ausrücken; beide Männer haben sich zuvor als Konsequenz aus den Ereignissen in Folge 2: Finsteres Hochland darauf verständigt, ihr Verhältnis auf eine neue Basis zu stellen. Eine interessante Wendung, mit der die Serie zu verstehen gibt, dass sie Wert legt auf eine stetige Entwicklung der zentralen Charaktere und ihres Verhältnisses zueinander. Und ein zeitgemäßer Ansatz noch dazu, durch den Wilde & Holmes neben dem Kampf gegen Zirkel als rotem Faden noch weiter an innerer Geschlossenheit gewinnt. Verkörpert werden die beiden Titelfiguren von Sascha Rothermund (Wilde) und Reent Reins (Holmes), die erneut überzeugend miteinander interagieren. Das Duo steht an der Spitze eines Casts, der unter anderem auch noch so bekannte Stimmen wie die von Hartmut Neugebauer, Christian Stark, Gerhard Acktun, Uschi Hugo oder Martin Sabel zu bieten hat, und der in Sachen überzeugende Sprecherleistung erwartungsgemäß nichts anbrennen lässt. In guter Form präsentieren sich auch die Regie, das Sounddesign und die Musik in dieser Folge. Es geht wirklich sehr atmosphärisch zu in Wilde & Holmes - Sonderermittler der Krone Folge 3: Das Geheimnis des Alchemisten; das Flair der damaligen Epoche wird kernig transportiert.

Die Geschichte von Jonas Maas entfaltet sich gradlinig: Sie beginnt in der Ära der Inquisition, um dann in die Gegenwart der Protagonisten, also die Endphase des viktorianischen Zeitalters zu springen. Der Plan des Zirkels könnte dieses Mal nicht nur Britannien ins Chaos stürzen, sondern sogar einen weltweiten Flächenbrand auslösen. Eine überaus spannende Ausgangssituation also. Und ist diese erst einmal etabliert (Anm.: was ein wenig kompakter hätte geschehen können) und Wilde auf Mission, gibt ihm der Plot ausreichend Gelegenheit, sein Talent als Sonderermittler unter Beweis zu stellen. Dabei offenbart sich, dass Wilde nicht gerade zimperlich in seinen Methoden ist, an Informationen zu kommen. Diese Seite kannte man noch nicht an ihm (Stichwort: Charakterentwicklung). Zahlreiche Ortswechsel und packend inszenierte Kampfszenen machen aus der Folge eine dynamische Angelegenheit; die ca. 77 Minuten Spielzeit werden gut genutzt und sind sehr zügig vorbei.

Auch der dritte Fall von Wilde & Holmes ist wieder ein gelungenes Hörspiel. Ein kurzweiliges Abenteuer, das mit seiner spannenden Handlung, namhaften Sprecherinnen und Sprechern sowie einer stimmungsvollen Klangkulisse zu unterhalten versteht. Damit bestätigt die Serie jenen positiven Eindruck, den sie bei mir mit ihren ersten beiden Folgen bereits hinterlassen konnte. Keine Frage, dass ich mir Folge 4 auch anhören werde.


Wilde & Holmes - Sonderermittler der Krone Folge 3: Das Geheimnis des Alchemisten ist ein Hörspiel von Maritim. Seit dem 13. Mai 2016 ist es im Handel.



Zwischen 1812 und 1850 gaben Jacob und Wilhelm Grimm ihre Sammlung Kinder- und Hausmärchen heraus, die man gemeinhin auch als Grimms Märchen bezeichnet. Über 200 Geschichten wurden von den Gebrüdern Grimm im Laufe der Jahre zusammengetragen; darunter Erzählungen wie Hänsel und Gretel, der Froschkönig, Aschenputtel, Rotkäppchen oder Rapunzel, die bis heute jeder kennt. Ein solch anhaltender Erfolg blieb Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch und Neues Deutsches Märchenbuch von 1845 bzw. 1856 dagegen verwehrt. Nur Insidern sagen diese Titel noch etwas, wie auch der Großteil der enthaltenen Märchen mittlerweile dem Vergessen anheim gefallen sind. Zwei davon möchte das Label RRR Audiovisuelle Medien nun aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken und präsentiert sie zu diesem Zweck in der ersten Folge der neuen Hörspielreihe Vergessene Märchen, die seit dem 16. Mai 2016 erhältlich ist.

In Der Wandergeselle erhält ebendieser von einer alten Frau ein besonderes Geschenk: drei verzauberte Hunde. Mit diesen zieht er in die Welt hinaus und nimmt es dabei mit dem Bösen in Person eines räuberischen Wirts, eines hinterlistigen Kutschers und sogar dem Teufel selbst auf. Aber was tut man nicht alles, um das Herz der schönen Prinzessin zu erobern!

Vom Knaben, der das Hexen lernen wollte, erzählt die zweite Geschichte. Dessen Name ist Friedel, der, weil er jung und naiv, im Wald einer alten Hexe auf den Leim geht, die selbstredend Böses im Schilde führt. Doch Lieschen, die Magd der Hexe, funkt der Alten dazwischen und tritt zusammen mit Friedel, in den sie sich verliebt hat, die Flucht an. Wie es sich für eine ordentliche Hexe gehört, lässt diese sich das nicht einfach so gefallen, sondern nimmt auf ihrem Besen die Verfolgung auf.

Mit einem lernbegierig von zu Hause ausziehen den jungen Mann weisen beide Geschichten ein gemeinsames Motiv auf. Da bot es sich für RRR schon aus inhaltlicher Sicht an, sie als Doppelpack auf einer CD zu präsentieren. Die Gesamtspielzeit von ca. 50 Minuten verteilt sich dabei recht unterschiedlich: Der Wandergeselle bildet mit ca. 34 Minuten die Hauptveranstaltung, Der Knabe mit 16 Minuten eine Zugabe. Wer die Märchenproduktionen des seligen Schallplattenzeitalters kennt, dem wird das Konzept einer längeren ersten und kürzeren zweiten Geschichte vertraut vorkommen. Auch in puncto Inszenierung gibt sich RRR klassisch, indem man die Spielszenen sich abwechseln lässt mit den Ausführungen eines ziemlich gut beschäftigten Erzählers. Dirk Heinrich ist dieser Erzähler, und er führt mit angenehmer Stimme sicher durch das Geschehen. Martin Sabels Stimme ist eine Spur zu alt für die eines jungen Gesellen, doch ansonsten überzeugt Sabel durch sein engagiertes Spiel. Hört man Timo Wussow, denkt man ebenfalls nur bedingt an einen Knaben, doch die Naivität der Figur schwingt sehr schön in seinem Tonfall mit. Bert Stevens ist ein herrlich fieser Wirt und Tanja Niehoff eine bezaubernde Prinzessin. Mit dem Mütterchen und der Hexe spricht Anette Gunkel gleich zwei alte Frauen. Und alle klingen sie so, wie es sich eben anhört, wenn man als Label eine Sprecherin in den mittleren Jahren bucht, damit sie alte Frauen verkörpert: deutlich zu jung. An Anette Gunkels Fähigkeiten besteht kein Zweifel, denn sie besitzt jahrelange Erfahrung; doch die Rollen, für die sie von RRR geholt wurde, sind einfach nicht ihre. Als Frau des Wirts wäre sie beispielsweise glaubwürdiger gewesen. Dieser Part (und der des Lieschens im Knaben) ging stattdessen an Dagmar Bittner, die es erfolgreich schafft, beiden Figuren Leben einzuhauchen.

Um Vitalität bemüht sich auch das Sounddesign, hat dabei aber Schwierigkeiten, eine kohärente Atmosphäre aufzubauen. Und zwar nicht, weil die Entscheidung der Macher, auf dezent eingesetzte Effekte zu setzen, falsch gewesen wäre. Die war goldrichtig, passt dieser Ansatz doch sehr gut zu solch einer Art von Hörspiel. Das Problem ist ein ganz anderes: Wie als bestände die Gefahr, eine Klangkulisse könnte die Zuhörer von dem ablenken, was der Erzähler zu berichten hat, herrscht während seiner Passagen weitgehend Stille. Die Stimmung, die zuvor in der Spielhandlung aufgebaut wurde, reißt dadurch immer wieder ab, um dann erneut aufgenommen zu werden. Es entsteht der Eindruck eines Nebeneinanders; so als klinke man sich wieder in eine Handlung ein, aus der man zuvor ausgestiegen ist, um sich dem Erzähler zuzuwenden. Das ist nicht sonderlich elegant und wirkt auf die Dauer doch recht störend. Vor allem, da die Erzählerparts nicht gerade kurz ausfallen. Immer dann, wenn die Soundkulisse aber ihre Wirkung entfalten darf, tut sie es auch. Zugegeben, hier und da hätte man sich noch ein paar Effekte mehr gewünscht. Doch insgesamt ist RRR ein ansprechender Klangraum gelungen. Unterstützung erfährt er dabei von einem unaufdringlichen, auf die Thematik dieses Hörspiels passend abgestimmten Soundtrack.

Vergessene Märchen 1 wurde vom Label mit einer Altersempfehlung ab 5 Jahren versehen. Die Frage, ob gewisse Szenen für den einen oder anderen sehr jungen Hörer vielleicht nicht doch etwas zu grausam sind, will ich an dieser Stelle nicht diskutieren. Das zu entscheiden, ist keine Sache für einen Rezenten, sondern fällt in den Zuständigkeitsbereich der Eltern. Hinzugedichtet hat RRR aber auf jeden Fall nichts, denn z.B. die Szene im Wirtshaus steht genau so im Märchen. Wer daran zweifelt, kann es sich im Internet gerne durchlesen. Wirklich spannend, wie wenig zimperlich man früher war. Oder sind wir heutzutage nur extrem sensibel?

Es gehört schon eine ordentliche Portion Mut dazu, sich in der Hörspielwelt des Jahres 2016 überhaupt auf das Thema Märchen einzulassen. Denn Megaseller generiert man damit nicht. Erst recht nicht mit Märchen, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind. RRR Audiovisuelle Medien besitzt diesen Mut. Alleine dafür muss man dem noch jungen ein Kompliment machen. Für die erste Ausgabe der Vergessenen Märchen wurden zwei interessante Geschichten ausgewählt und auf solide Art inszeniert. Luft nach oben besteht zweifelsohne, doch es handelt sich erst um das dritte Hörspiel von RRR - da ist es natürlich, dass noch Entwicklungspotenziale bestehen. Bleibt zu hoffen, dass auch das Publikum mutig ist und Vergessene Märchen 1 eine Chance gibt. Denn ich würde gerne noch weitere Folgen dieser Reihe erleben.


Vergessene Märchen 1 ist eine Produktion von RRR Audiovisuelle Medien. Seit dem 16. Mai 2016 ist es im Handel.